Maria-Grün

H. Proch

Ein Kirchlein liegt im grünen Land,

Maria-Grün wird es genannt;

und um das Kirchlein pranget frisch

die Gegend wie ein Weihnachtstisch.

Von Gottes Gaben voll beschwert,

der seinen Kindern reich beschert,

und hohe Berge, fromm und stumm,

sie ziehen einen Kreis herum,

und jeder Berg steht frisch und stark,

als wär's ein Mann aus Steiermark.

Die Stirne ist von Licht umglänzt,

das Haupt ist reich mit Laub umkränzt,

und um die freie Felsenbrust

spielt Wälderduft mit süßer Lust;

und Luft und Duft und Sonnenstrahl

fließt sanft hinab ins holde Tal,

allwo im Kirchlein, schattig mild,

zur Andacht ruft das Gnadenbild.

Und wenn das Glöcklein laut erschallt,

da steigt herab von Berg und Wald,

von allen Höhen, g'rad und schräg,

das fromme Volk auf grünem Weg.

Denn wo mit solcher Macht und Pracht

der Schöpfer hat die Welt bedacht,

da wird zur Kirche jeder Ort,

da wird Gebet ein jedes Wort,

da wird sein Altar jeder Berg,

da wird zum Opfer jedes Werk,

zum Tabernakel jedes Herz,

und Priester stehen allerwärts,

und alle Menschen rings herum,

sie beten still, sie beten stumm:

Du, Vater, sei gebenedeit,

denn dein ist all' die Herrlichkeit!