Nachtgesang

H. Proch

Wenn schweigend gesunken

die Nacht ins Land,

da möcht' ich wohl nehmen

den Stab zur Hand.

Und wenn rings auf Erden

kein Auge mehr wacht,

da möcht' ich hinausgeh'n

allein in die Nacht

über Eb'nen und Heiden,

über Hügel und Höh'n,

über Bäche und Ströme,

von niemand geseh'n,

und weit, ach weit

über Wüsten und Meer,

denn leiden und schweigen,

das schmerzt zu sehr!

Und kämen die Sterne

mit bleichem Glanz,

und käme der Traum

mit dem welken Kranz,

und käme der Schmerz

und das Mondenlicht,

sie suchten mein Lager -

sie fänden mich nicht!

Der Morgen aber

mit freundlichem Schein,

der streute dann Rosen

durchs Fenster herein.

Es strahlte mein Stübchen

in himmlischem Rot,

und still wär's darinnen,

als wär' ich längst tot.