Sie ist nicht mehr

H. Proch

Ein Wehruf tönet schmerzvoll,

in Trauer bebt das Herz;

für sie sind diese Tränen,

für sie ist dieser Schmerz.

Warum muss, o Himmel,

die Blume schon jetzt verblüh'n,

warum mit leisem Sehnen

zu den Sternen schon zieh'n?

Du Teure bist nicht mehr;

dich nur liebt' ich allein.

Ich konnte dich nur seh'n,

dich, meine Seligkeit!

In deiner Reize Pracht,

beglückend und beglückt,

hast du den Sinn verwirrt,

hast alle du entzückt!

Ich dachte dein im Traume

und fühlte Himmelslust,

da schlug mir das Erwachen

wie Wunde in die Brust.

Du bist von uns geschieden,

die Träne im Auge bebt;

die Teure ist gestorben,

für die wir alle gelebt,

und ihre Seele fliegt nun

zu dir, Gott, hinan;

ein Engel fehlte dir

im weiten Himmelsplan.

Sie war stets uns're Freude,

sie uns're Lust allein;

nun deckt all unser Glück

der eisig kalte Stein.

Ihr Bild nur bleibt uns noch;

sanft lächelt es und mild,

es will uns täuschen wohl,

doch bleibt es immer Bild.

Die himmlisch schöne Aug',

aus dem die Seele spricht,

den Zauber, der um sie strahlt,

ach, malt der Künstler nicht!

Leb wohl auf ewig!

Schwebe sanft himmelwärts!