Totengräberlied

H. Proch

Husch! wie ist's so frostig heut',

kann beinah' nicht graben,

möchte gern im Stübchen mich

an dem Feuer laben.

Doch ich muss ja fleißig sein,

muss mir Geld erwerben,

und viel Arbeit habe ich,

wenn viel Leute sterben.

Auf dem großen Erdenrund

weicht der Ein' dem Andern,

und der Menschen Kommen, Geh'n,

ist ein ew'ges Wandern.

Bei mir kommet Reich und Arm

unter eine Erde;

gleich geh'n alle, alle ein

zu der großen Herde.

Alle ruh'n da sanft und still,

Hass und Missmut schwinden;

jeder wird den Todesfeind

dort versöhnet finden.

Und nach langer, später Zeit

grab' ich alle Beine

wieder aus der Erde aus

in dem Mondenscheine.

Da entsteht ein bunt' Gewirr:

Fürsten, Bettler, Grafen

werf' ich unt'reinander all',

da sie lang' geschlafen.

Und da denk`ich so bei mir:

's ist doch hier auf Erden

gleichviel, was der Herr bestimmt,

dass soll Einer werden.

Denn ich seh's ja deutlich klar:

Jede Größe schwindet.

Glücklich, wer dort oben einst

wahren Frieden findet.

Husch! wie ist's so frostig heut',

kann beinah' nicht graben,

möchte gern im Stübchen mich

an dem Feuer laben.