Zigeuner-Mädchens Nachtlied
H. Proch
Schlafen auf der öden Heide
die Gefährten rings um mich,
wachen nur zu tiefem Leide
einer, der mir fern, und ich.
Und von beiden die Gedanken
steigen dann zum Himmel auf,
bis sie oben fest sich ranken
an des Mondes Silberknauf.
Und in Wonnen unermessen
finden dort zwei Seelen sich,
und der ganzen Welt vergessen
einer, der mir fern, und ich.
Aber bald erlischt der Schimmer
als der Sonne feiger Knecht,
und wir finden dann uns nimmer
auf der öden Flur zurecht.
Und die Hoffnung senkt die Schwingen,
wie die Nacht dem Tage wich,
und aufs Neu' in Qualen ringen
einer, der mir fern, und ich.