Der Kranke
H. Quiel
Wie Wind ist mein Leben verweht,
Ich liege allein und wache,
Im Fenster das Mondhorn steht,
Sieht zu, was ich mache.
Ich liege und friere lang,
Fühle den Tod im Zimmer --
Herz, wie schlägst du so bang,
Brennst du noch immer?
Leise fang ich zu singen an,
Singe leise von Mond und Wind,
Von Hirsch und Schwan,
Von Maria und ihrem Kind,
Alle Lieder fallen mir ein,
Die man singen kann,
Stern und Mond kommt herein,
Wald und Reh ist bei mir innen.
Alle Schmerzen und Freuden rinnen
Hinter meinen geschlossenen Augen hin,
Sind nicht auseinanderzukennen,
Alle sind süß, alle brennen,
Ich weiß nicht, wo ich bin,
Frauen kommen mit Lippen bleich und rot,
Flackern vor Liebe wie bange Kerzen,
Eine von ihnen heißt Tod,
O wie saugt ihr glühender Blick mir am Herzen!
Götter tun ihre alten Augen auf,
Schließen ihre verborgenen Himmel auf,
Himmel zum Lachen und zum Weinen,
Drehen ihre Sterne im schnellsten Lauf,
Lassen alle Monde und Sonnen scheinen.
Leiser wird und verstummt mein Gesang,
Schlaf kommt aus Himmels Mitten
Die Welt der Götter entlang
Auf Sternenstraßen geschritten.
Sein Schritt ist wie auf Schnee...
Um was soll ich ihn bitten...?
Fort ist alles, was ich gelitten,
Nichts tut mehr weh.