Allgegenwärtig

H. Schmid

Wenn die Winde sacht

Um dein Fenster gehn,

Stimmen in der Nacht

Von den Hügeln weh'n,

Hoher Firnenkranz,

Um den See gereiht,

Seinen reinen Glanz

Deinen Tagen leiht,

Oder still und mild

Wie ein fromm Gebet,

Deiner Heimat Bild

Durch dein Träumen geht --

Spürst den Atemzug

Meiner Liebe du?

Sehnsucht lenkt den Flug

Deinem Herzen zu.

Und kein Lüftchen schwebt

Über Berg und Thal,

Drin ein Hauch nicht lebt

Ihrer Lust und Qual.

Tausendfach ins All

Breitet sie sich aus,

Rollt im Donnerhall

Nächtens um dein Haus.

Wenn im Flammenschein

Aus dem Schlaf du schrickst,

Und die Kammer dein

Ganz voll Licht erblickst,

Liebe ist's, die wacht,

Sehnsucht, die so brennt

Und laut in der Nacht

Deinen Namen nennt.