Blühende Gräber

H. Schmid

Leis verglüht der Tag in den Pappelzweigen,

Glockentöne wiegen den Wald in Schlummer,

Durch des Friedhofs träumende Stille weht's wie

Ewige Sehnsucht.

Sehnsucht eines lange erlosch'nen Lebens,

Sehnsucht alter, lange vergess'ner Liebe,

Ausgelitt'ne Schmerzen, verblühtes Glück aus

Früheren Tagen.

Drang des Lebens, bildender Schöpferodem,

Deines Waltens heilige Nähe fühl' ich,

Fühle dich im Säuseln entschlaf'ner Sehnsucht

Über den Gräbern!

Nicht, Natur, Allmutter, vergiß'st du deiner

Todten Kinder: aus den erstorb'nen Herzen

Steigt der Liebe strahlend empor in tausend

Blumen des Frühlings.