Fuhrleut
H. Schmid
Ist doch ein Augentrost auf Erden
Ein rechter Fuhrmann mit seinen Pferden!
Den breiten Rücken, wie von Felsen,
Wie wiegen ihn die Tritte stramm!
Und an den langgemähnten Hälsen
Die Dachshaut und der Messingkamm!
Und drüben neben der Haberschrannen
Zechen die Fuhrleut' bei mächtigen Kannen;
Wie glitzern am Brusttuch die Kugelknöpfe,
Von Silber schwer die Pfeifenköpfe!
Was das ein Stolz ist bei Roß und Mann!
Komm Einer her, der's schöner kann.
Mit dem Marktkorb geht eine Dirn' vorbei,
Aus der Schenke ein heller Fuhrmannsschrei:
Was krieg' ich, wenn ich komm' die Nacht?
Er zieht sie an's Fenster und sie lacht:
"Die Hand auf den Mund und ein Schloß daran,
Wenn's nicht der Mund verschweigen kann."
Wie huscht sie über den Platz davon!
Wie klingt die Schenke vom Jodelton!
Doch ich, der eben vorüber kam,
Alles von Grund in Obacht nahm:
Ist doch ein Augentrost auf Erden
Ein rechter Fuhrmann mit seinen Pferden,
Und geht wie ein frischer Trunk in's Blut,
Wenn er den Knall und den Jodler thut!