Sommernacht

H. Schmid

Wenn lau und lind die Nachtluft weht,

Ein Engel schwebt von Beet zu Beet

Auf leisen, leichten Schwingen.

Und wo er sanft vorüberrauscht,

Da schweigt die Nachtigall und lauscht,

Und mag nicht fürder singen.

Der Glühwurm setzt sich auf das Blatt,

Die Linde, die geflüstert hat,

Sie thut sich sachte neigen.

Im Feld die Grille zirpt nicht mehr,

Das Bächlein rieselt still daher:

Allüberall herrscht Schweigen.

Da breitet über's ganze Land

Der Engel segnend seine Hand

Und schwingt die Friedenspalme.

Und morgens in der weiten Au'

Glänzt nah und fern des Himmels Thau

An jedem Gras und Halme.