Heinrich Frauenlob

H. Schmitt

Ein Sänger war vor Zeiten,

Der zarte Lieder wob.

Er thät zum Klang der Saiten

Für Frauentugend streiten.

Drum hiess er Frauenlob.

Und als im Sterbekleide

Im Sarg er lag zu Mainz,

Vor Weh und Herzeleide

Laut klagten Frauen und Maide

Am Uferland des Rheins.

Die edlen Frauen senkten

In's Grab ihn selber ein,

Den Sarg sie ihm besprengten,

Die schwarzen Schollen sie tränkten

Mit Rüdesheimer Wein.

Ihr meiner Augen Weide

In Zöpfen blond und braun,

Ihr meines Herzens Freude,

Ihr morgenschönen Maide,

Ihr minniglichen Frau'n!

Soll eure Huld mich laben,

Macht's nicht wie die zu Mainz.

Ob Mägdlein oder Knaben

Den todten Leib begraben

Das ist mir alles eins.

Giesst nicht den Saft der Reben

Auf's Grab dem stillen Mann;

Kredenzt ihn mir im Leben,

So will ich die holden Heben

Lobsingen, solang ich kann.