Mein Heim
H. Schmitt
Gekommen erlösende Ferienzeit,
Da zieht es, da lockt es hinaus mich weit,
Nach Städten mit gothischer Domespracht,
Nach Fluren voll grüner Waldesnacht,
Auf Berge, die nahe dem Himmel steh'n,
Zu donnernden Fällen und Alpenseen,
Nach Firnen funkelnd im Abendschein,
Wie laß' ich dich gerne, mein Heim, so still und klein!
Schon hab' ich's errungen, schon ist es erreicht,
Und stolz schwillt das Herz mir, mein Blut stießt so leicht,
Nun bin ich geklettert auf schwindelndem Pfad,
Bin schaudernd dem Gipfel des Gletschers genaht,
Ich saß an dem Sturzbach, der niederwärts wühlt,
Und hab' meine Glieder im Bergsee gekühlt,
Umgeben von Dornen aus Felsengestein --
Wie liegst du mir ferne, mein Heim, so still und klein.
Geendet die Freiheit; zum eigenen Herd
Bin heute gekrästigt zurück ich gekehrt.
Lebt wohl all' ihr Matten, so frisch und so grün,
Ihr Gletscher, so funkelnd im Abendglüh'n,
Ihr lockenden Seen am Felsengrund,
Statt rastlosem Wandern von Stund' zu Stund',
Wartet nun Arbeit, die rastlose, mein:
Wie machst du mich glücklich, mein Heim, so still und klein!