In stürmischer Zeit

H. Schüler

Von der trauernden Weide am Strome der Zeit,

Wo du hingest versunken in Schweigen und Leid,

Komm herunter, o Harfe, du lieber Gesell,

Ich trage dich fort zu dem seligen Quell,

Der vom Himmel geflossen hernieder.

An der Quelle, die leise das dunkele Thal

Der Erde durchrauscht, wo sich löset die Qual,

Wo die Palmen des Friedens, des ewigen, steh'n

Und die Lüfte der himmlischen Heimath weh'n, --

Da klinget von Zion ihr Lieder!

Klinget hinein in den Sturm, der tos't,

Vielleicht, daß ihr bringt dem Geängsteten Trost,

Vielleicht, daß ihr Einen, der ferne vom Ziel

Umherirrt, den schäumenden Wellen zum Spiel,

Heimlockt in den seligen Hafen; --

Vielleicht, daß ihr weinenden Augen zur Nacht,

Ein Schlummerlied singt von dem Hüter, der wacht,

Und vielleicht, daß ihr Andere weckt, die im Wahn

Den Abgrund nicht, den verderbenden, sah'n

An welchem sie sorgenlos schlafen!

Klinget, ihr Lieder! Auch wenn kein Ohr

Euch vernähme, zum Himmel ja dringt ihr empor,

Und auf Flügeln des Liedes erhebt sich das Herz

Hoch über den irdischen Jammer und Schmerz

Und badet in seligem Frieden;

Was kein Auge geseh'n und kein Ohr gehört,

Was der Sinn nicht vernimmt, von der Erde bethört,

Das strömt mit unendlicher heiliger Lust

Ein kühlender Quell durch die jauchzende Brust,

Und den Himmel genießt sie hienieden!