Der Bergsee
H. Schulz-Beuthen
Blickt noch so grün die Alm hinein,
Der Himmel noch so klar,
Und grüßt im hellsten Sonnenschein
Ihn der Libellen Schaar:
Ach! schwarz und düster bleibt der See;
Nur wenn die Winde fächeln,
Verbirgt sein tiefes, tiefes Weh
Er schmerzlich unter Lächeln.
Erblühen noch so wunderschön
Die Rosen seinem Grund,
Thun noch so jubelnd aus den Höhn
Ihr Glück die Vöglein kund:
Ach! schwarz und düster bleibt der See;
Nur wenn die Wipfel brausen,
Verweht sein tiefes, tiefes Weh
Zum Trost im sanften Sausen.
Die Tanne dort, die still hinab
Die Zweige senkt zur Fluth,
Die weiß es noch, allwo sein Grab
Einst fand das junge Blut;
Die weiß allein, warum der See
Sich nimmermehr mag freuen,
Warum sein tiefes, tiefes Weh
Sich ewig muß erneuen.