Wann wirst du mein gedenken, Lieb

H. Schulz-Beuthen

Wann wirst du mein gedenken, Lieb?

O wann gedenkst du mein? --

Wenn der Fels und der Fluß am goldigsten blinkt,

Von dem Strahle der Sonne, die scheidend sinkt!

Wenn in stillen Lüften kein Wind sich regt,

Und zärtliches Sehnen die Seele bewegt --

Ja, dann laß es sein --

Herz! dann denke mein!

Wann wirst du mein gedenken, Lieb?

Sprich, wann gedenkst du mein? --

Wenn die zarteste Sommerrose schmückt

Der liebliche Glanz, der die Sinne entzückt,

Wenn ihr schwindender Duft dir Erinn'rung weht

An die Pfade, die nimmer dein Fuß mehr geht --

Ja, dann laß es sein! --

Herz! dann denke mein.

Wann wirst du mein gedenken, Lieb?

O wann gedenkst du mein? --

Wenn ein geliebtes veraltetes Lied

Thränen der Wehmuth ins Auge dir zieht;

Wenn dein Ohr der Stimme des Bergstroms lauscht, --

Eines Dichters göttlicher Traum dich berauscht --

Ja, dann laß es sein!

Herz! dann denke mein!