Des Mönches Nachtlied

H. Sommer

Wann alle Stimmen schweigen,

Die laut den Tag gemacht,

Und still im Sternenreigen

Am Himmel geht die Nacht --

Dann schwebt aus duft'ger Ferne,

Aus dunkler Wolken Thor,

Der lieblichste der Sterne,

Dein Bild schwebt mir empor:

Befreit von Erdenstaube,

Von Himmelshauch umweht,

So heilig wie der Glaube,

So rein wie das Gebet.

In deinen Zügen malet

Sich sel'ge Traurigkeit:

Dein Auge widerstrahlet

Gott und Unendlichkeit.

Da legen alle Fluthen

Von Welt und Leben sich,

Es löschen selbst die Gluthen,

Die mich verzehrt um dich.

Ich falte meine Hände

Fromm wie ich nie geglaubt:

O Segen sonder Ende

Auf dein geliebtes Haupt!