Die junge Königin

H. Sommer

Auf dem Throne ruht in träumendem Sinn

Die allerlieblichste Königin.

Es trägt ihr Haupt, das kronenlose,

Als einzigen Schmuck eine weiße Rose.

Und der Herzog denkt: "O wärst du mein!

Ich wollte dich decken mit Edelstein."

Und der Pfalzgraf wünscht: "O wärst du mein!

Ich schenkte dir sieben Schlösser am Rhein."

Und der Bischof brütet: "O wärst du mein,

Meine Seele sollt' ewig verloren sein!"

Nur Einer im Saale, -- der wünschet nicht,

Schaut selig vor sich mit verklärtem Gesicht: --

Der Sänger: -- er drückt in schweigender Lust

Die Linke fest auf die pochende Brust:

Da birgt er -- und segnet seine Lose --

Die allerlieblichste weiße Rose.