Sommernachts

H. Sommer

Wie trunken schläft die Juninacht!

Es ist wie Duft von reifem Korn

Weither im Lande aufgewacht –

Die Rose glüht am Heckendorn.

Der Bergwald atmet; – manchmal stehen

Die Winde aus den Wolken auf

Und führen sehnsuchtschwüles Wehen

Der Leidenschaft vom Tal herauf.

Dort blitzt aus dem entschlafnen Land

Ein einzig waches Fensterlein,

Ich habe bald dein Haus erkannt,

Von dort entloht der schwüle Schein...

Und aus beglänzten Büschen fragen

Mich Nachtigallen, wo du bist,

Warum in diesen trunknen Tagen

Die Sehnsucht nicht die Liebe küßt. – –