Föhnige Nacht

H. Strübing

Schaukelt im wehenden Föhnwind der Feigenbaum

Wieder wie Schlangen wirr die gewundenen Aste,

Steigt übers kahle Gebirg zu einsamem Feste

Vollmond empor und beseelt mit Schatten den Raum,

Spricht zwischen gleitenden Wolkenschiffen der Lichte

Träumerisch mit sich selber und zaubert die Nacht

Über dem Seetal still zum Seelenbild und Gedichte,

Daß mir im Herzen zuinnerst Musik erwacht,

Dann erhebt sich in drängender Sehnsucht die Seele,

Fühlt sich jung und begehrt ins flutende Leben zurück,

Kämpft mit dem Schicksal und ahnt, woran es ihr fehle,

Summt sich Lieder und spielt mit dem Traume vom Glück,

Möchte noch einmal beginnen, noch einmal der fernen

Jugend heiße Gewalten beschwören ins kühlere Heut,

Möchte wandern und werben und bis zu den Sternen

Dehnen der schweifenden Wünsche dunkles Geläut.

Zögernd schließ ich das Fenster, entzünde das Licht,

Seh die weißglänzenden Kissen des Bettes warten,

Weiß den Mond und die Welt und das wehende Wolkengedicht

Draußen lebendig im Föhn überm silbrigen Garten,

Finde zurück mich langsam zu meinen gewohnten Dingen,

Höre bis in den Schlaf das Lied meiner Jugend klingen.