Am fliessenden Wasser II

H. Suter

Ich liege beschaulich

An klingender Quelle

Und senke vertraulich

Den Blick in die Welle;

Ich such' in den Schäumen

Weiß selbst nicht, wonach?

Verschollenes Träumen

Wird in mir wach.

Da kommt es gefahren

Mit lächelndem Munde,

Vorüber im klaren

Krystallenen Grunde,

Das alte vertraute,

Das Weltangesicht!

Sein Aug' auf mich schaute

Mit äth'rischem Licht.

Wohin ist's geschwommen

Im Wellengewimmel?

Woher ist's gekommen?

Vom blauenden Himmel!

Denn als ich ins Weben

Der Wolken geseh'n,

Da sah ich noch eben

Es dort vergeh'n.

Ich seh' es fast immer,

Wenn's windstill und heiter

Und stets macht sein Schimmer

Die Brust mir dann weiter;

Doch wenn sein Begegnen

Der Seele Bedarf,

Im Stürmen und Regnen

Auch seh' ich es scharf.