La régine Avrillouse (Die Maikönigin)

H. Thieriot

Genaht voll Glast und Sonne

Ist uns die klare Zeit,

Die Welt schwebt neu in Wonne

Ter Eifersucht zu leid;

Ein Hauch von Flöten und Geigen

Kommt durch die Luft geweht,

Die Königin will zeigen

Daß fie zu scherzen versteht.

Auf die Flucht, Eifersucht,

Schleich beiseit', finstrer Neid!

Wer will uns verwehren

Ein Tänzlein in Ehren

Und ganz unter uns?

Sie hieß die Boten traben

Allum bis au das Meer:

"Jungfräulein, Ritterknaben,

Ihr alle müßt mir her!

Die Füße sind zum Springen,

Die Rosen sind zum Kranz,

Ihr sollt Euch Alle schwingen

Im heitern Ridewanz.

Auf die Flucht, Eifersucht,

Schleich beiseit', finstrer Neid!

Wer will uns verwehren

Ein Tänzlein in Ehren

Und ganz unter uns?"

Da von der andern Seiten

Tritt der Herr König ein,

Er will den Tanz nicht leiden

Und grisgramt: "Haltet ein!

Ihr Völklein sollt verspüren

Daß ich ungnädig bin,

Und sollt mir nicht entführen

Meine Frau Königin!

Auf die Flucht, Flattersucht,

Tritt beiseit', Leichtsinnigkeit!

Wer wagt hier solch Kosen,

Solch Scherzen und Tosen?

Der Lärm nehm' ein End!"

Sie lacht: "Ihm wird sein Willen

Um keinen Preis gethan,

Denn unsre Wünsche stillen

Kann kein steinalter Mann;

Das kann nur ein jungfeiner,

Ein Baccalaureus,

So zart wie Der, weiß Keiner,

Wie man uns trösten muß.

Auf die Flucht, Eifersucht,

Schleich beiseit', finstrer Neid!

Wer will uns verwehren

Ein Tänzlein in Ehren

Und ganz unter uns?"

Wer sie nun sieht entschweben,

Wie sie den schlanken Leib

Zu wiegen weiß und heben,

Der spricht: "O selig Weib!

In aller Herren Reichen

Bis nach Arabia hin

Hat nimmer ihres Gleichen

Nie lustige Königin!

Auf die Flucht, Eifersucht,

Schleich beiseit', finstrer Neid

Wer will uns verwehren

Ein Tänzlein in Ehren

Und ganz unter uns?"