Herbstlied

H. Triest

Nun strömet klar von oben

Der Tag ins Land herein,

Aus tiefem Blau gewoben

Und lichtem Sonnenschein.

Es will noch einmal blühen

Der Wald, bevor er starb;

Er prangt in goldnem Glühen

Und lächelt purpurfarb.

Und fern im Glanze schließet

Sich Berg an Berg gereiht,

Und Sabbatstille fließet

Im Tale weit und breit.

Was will dich's wundernehmen,

O Freund, zu dieser Frist,

Daß deine Brust ihr Grämen

Wie einen Traum vergißt?

Daß du der alten Sorgen

Mit Lächeln nur gedenkst

Und in den goldnen Morgen

Dich voll und froh versenkst?

O gib dich hin dem Frieden

Und sauge diesen Glanz,

Der aller Welt beschieden,

In deine Seele ganz.

Laß Ruh' und Lied sich gatten

Bei frommem Harfenklang,

Der letzten Trauer Schatten

Versühne mit Gesang.

Der Sonne heb entgegen

Den Becher jungen Weins,

Und heischt der Trunk den Segen,

So wünsche segnend eins:

Daß, wenn nach Freud' und Leide

Dein Herz einst brechen will,

Wie dieser Herbst es scheide

So heiter, groß und still.