Herr Frühling

H. Triest

Herr Frühling zog in's Land hinein,

Der fürstliche Geselle,

Mit goldnen Locken kraus und fein,

Mit Augen sternenhelle.

Sein Rösslein war ein Schmetterling,

Darauf er sass mit Lächeln,

Und vor ihm her als Page ging

Ein lustig Maienfächeln.

Und als er kam in cinen Wald,

Da war es öd' und traurig;

Als wär' es ihnen gar zu kalt

Standen die Bäume schaurig.

Er aber sah den Wald sich an

Und sprach: "Hier will ich hausen!"

Sah Thal hinab und Berg himm

Und sprach: "Hier will ich schmausen!"

Mailüftchen flog gen Himmel schnell,

Da riss der Wolkenschleier,

Die guldne Sonne lachte hell

Zur süssen Frühlingsfeier.

Mailüftchen flog hinab in's Thal,

Die Quellen liess er springen,

Das gab im ersten Sonnenstrahl

Ein Rauschen und ein Klingen.

Und in den welken Blättern drauf

Wie regt es sich behende!

Sie sprossen, keimen, blühen auf

Als grüne Laubenwände.

Dazwischen ward von grünem Moos

Urin duft'ge Beeren lagen,

Gestickt mit Blumen klein und gross,

Das Tischtuch aufgeschlagen.

Und in den Bäumen bauten bald

Die Vöglein ihre Nester,

Das war, versteckt im Blüthenwald,

Ein lustiges Orchester.

Duch wenn mit lautem Sang und Klang,

Die Vöglein sich ermattet,

Da wird ein Lied, nur nicht zu lang,

Den Fröschen auch verstattet.

Als nun der Mai mit munterm Sinn

Die Tafel sah bereitet,

Da schickt er schnell zum Küster hin,

Dass er die Tischglock' läutet;

Der Kuckuck rief, und nah und fern

Nachhallt es in den Gründen,

Allüberall den edeln Herrn,

Den Frühling, anzukünden.

So sitzt er nun beim frohen Schmaus,

Der fürstliche Geselle,

Mit goldnen Locken fein und kraus,

Mit Augen sternenhelle.

Und wie ein König mildgesinnt

Lädt er uns All' zum Feste;

Doch Dichter und Verliebte sind

Die rechten Ehrengäste.