Ikarus

H. von Eyken

Wen sein Flug voller Jubel treibt

hoch in die Lüfte mit Sonnenjauchzen

oder einsam des Nachts

über schönen Meeren,

wenn der Sommer still ist,

oder der Himmel fiebert

im Wettergewühl,

ihn umhüllt der Einsamkeit Schweigen

wie eine wehe Seligkeit.

Oder des Lebens lachender Übermut

breitet die Arme ihm auseinander,

läßt mit Entzücken ihn

die Loden schütteln

und fliegen, fliegen

zur Sonne!

Freiheit! Freiheit!

Laß mich baden in deinem Licht,

laß mich der Glieder Pracht

regen und singen --

Wohl dem, dem die Götter

Flügel gegeben

in jungen Jahren,

zu sehen,

zu fühlen,

was keiner gefühlt.

Rufen ihn auch der Liebe Stimmen

vom Strande aus

und des Alters kluge Vorsicht,

Nein! Nein!

Kann er denn hören,

wenn ihn das schäumende Blut

zum blauen Himmel

mit Jauchzen jagt?

Jung! jung!

Aufwärts,

mit Flügelschlag,

mit Entzücken

zu dir,

Mutter Sonne!

Eines Jünglings Leiche

stürzte danieder.

Am Wasser liegt er

und ist tot.

Leget den Finger auf den Mund,

und seid stille.

Herrlich ist's

auf der Höhe zu sterben.

Und er war

der Sonne näher

als wir.