Winterwanderung

H. von Eyken

O wie weit, o wie weit

Liegen die Berge weiss beschneit,

Spinnen sich endlos die grauen Lüfte,

Wälzt sich der Nebel durch Wälder und Klüfte!

Tief in dem Schnee versinkt der Tritt,

Und das Herz will nicht weiter mit.

O wie weit, o wie weit

Liegt die sonnige, farbige Zeit,

Da blaue Höhen mich fernhin riefen,

Wipfel mich lockten aus grünenden Tiefen,

Wenn ich am blühenden Frühlingshag

Hoch auf dem Berg in den Blumen lag.

O wie weit, o wie weit

Wird mich des Lebens Müh und Streit

Noch verschlagen von all dem Lieben,

Das mir ferne zurückgeblieben?--

Ohne Antwort der Tannenwald steht,

Und die Pfade sind windverweht.

O wie weit, o wie weit

Herz, halt fest, ob es weht und schneit!

Einmal muß dir der Lenz noch frommen,

Einmal muß der Tag noch kommen,

Da du in heimatseliger Rast

Frieden und Liebe und alles hast!