Was heisst durch Wald und Aue

H. von Sahr

Was heißt durch Wald und Aue

Mich wieder träumen gehn?

Auf's Moos gestreckt in's Blaue

Durch stille Wipfel sehn?

Woher dies sanfte Glimmen

Das in's Geblüt mir dringt?

Dies leise Harfenstimmen,

Das mir im Sinn erklingt?

Ich forsch' in meinem Innern,

Allein ich rath es kaum;

Ist's nur ein hold Erinnern?

Ist's goldner Hoffnung Traum?

Doch weiß ich: also blühte

Mein Leben wundersam,

Als einst mir in's Gemüte

Die erste Liebe kam.

Schaffe, Mutter Natur, mit Schweigen

Dein stilles Werk in der Tage Kreis --

Wachse geborgen unter den Zweigen

Wachse, blühe, mein Edelreis.

Die erquicklichste Helle

Wirf, o Sonn', herab aus dem Blau;

Träufle, Himmel, auf diese Stelle

Deinen süßesten Thau.

Denn hier ist heil'ger Ort, es bricht

Ein junges träumendes Leben

Mit scheu sehnsüchtigem Beben

Aus zarten Hüllen an's Licht.

Schon rühren ahnungsreich

In ihm sich himmlische Kräfte.

Wirke, wirke dein still Geschäfte,

Mutter Natur, und hüte zugleich.

Ach, fernhin ziehn mich fremde Sorgen;

Aber von fern auch segn' ich dich leis

Jeglichen Abend, jeglichen Morgen;

Im Grün geborgen

Wachse, blühe mein Edelreis.