Juanas Lied

H. von Saint-Julien

Willst schwüle Luft, du nicht zergeh'n,

Wollüstiges Murmeln im Felsenspalt?

Wie tief betäubt mich der Blumen Weh'n,

Die Nachtigall schlagend im Wald!

Es sprizt das Meer am Vorgebirg auf,

Die Meerfrau'n locken den trunkenen Sinn.

Und Städte, Gärten, in buntem Lauf

Führen die Wolken dahin.

O süßes Klingen! o herrliche Schau

Unendlicher Fülle - wohin? woher?

Mein Auge drückt' selig ein schläfernder Thau.

Was hofft' ich, was wünscht' ich mehr?

Was der Frühling gibt, was der Sommer schafft,

Was die Seele begehrt, da ist es zur Hand.

Ein fremdes Geschlecht, voll Anmuth und Kraft,

Da bewegt sich's ohne Gewand.

Wie beflügelt ein Sturmesgesang mein Blut!

Komm, zeige dich nackt, holdselige Lust!

O lös' nicht in Thau mich, schmelzende Gluth,

Eh ich Leben gepreßt an die Brust!

Frag, Schönheit, nicht nach Gesetz, nach Scheu;

Ergib Dich plötzlich, ergib Dich ganz!

Du gehörst nicht der Dauer, gehörst nicht der Treu,--

Der Tod ist Dein süßester Glanz.

Im Lächeln stürze die Thräne hervor,

Und Leben an Leben verbrenne sich schnell,

Dann jauchzen vereint die Geister empor,

Ein sonnetrunkener Quell.

O sel'ger Gestalten betäubende Macht.

Die Arme streck' ich glühend hinaus.

O hemmet des Fluges verworrene Pracht!

Am Busen ruhet mir aus!--

Sie schwinden dahin, ein leuchtender Schaum.

Meine Seele verschmachtet, zerstückt ist mein Sinn.

Und stille wirds im unendlichen Raum.

Weh mir! Wo rett ich mich hin?

Der Herr sieht mich an mit dem Auge der Nacht.

Er ruft. Antworten kann ich ihm nicht.

O Hölle, wo ist Deine Zaubermacht?

Mein Herz in der Tiefe zerbricht.

Da schwebt durch den Aether ein seliges Lied,

Wie aus reinem Krystall, aus jungfräulicher Brust.

Erlößt schau' ich auf, und vorüber zieht

Maria, der Himmel Lust.