Erlosch'ne Liebe

H. Weidt

Es lockt der Lenz zu süßem Minnesang,

Und Adler Herzen werden froh und weit,

In Wald und Feld ertönt der helle Klang,

Die Fluren sind von Blüthen überschneit.

O, wie es in den Gipfeln widerhallt,

Wie sich die Blume neigt zum Sonnenlicht --

Ich möchte jauchzen, doch mein Herz ist kalt,

Id möchte lieben, und ich kann es nicht!

Sieh, um die Linde schwingt im Abendschein

Im raschen Tanze sich des Dorfes Maid,

Sie schlinget mit dem Burschen froh den Reih'n,

Es klopft des Mägdleins Herz, es fliegt ihr Kleid;

Und in der Ferne rauscht ein Lied der Wald,

Aus dem der Hirsch mit klugem Auge bricht, --

Ich möchte jauchzen, doch mein Herz ist kalt,

Ich möchte lieben, und ich kann es nicht!

Es wiegt im Boote sich ein liebend Paar,

Von Erlen und von Weiden überdacht,

Ihr Bildniß strahlet in den Wogen klar,

Der Nachen schaukelt leis, er schaukelt sacht.

O, sieh das Auge glühn, die Locke wallt,

Die tändelnd um die Rosenwang' sich flicht, --

Ich möchte jauchzen, doch mein Herz ist kalt,

Ich möchte lieben, und ich kann es nicht!

So will ich fliehn die Lieder und den Tanz,

Und schweifen in des Waldes dunkler Nacht,

Mir winke nicht des Auges heller Glanz,

Mich rufe nicht des Mägdleins Lockenpracht.

Du stiller Hain, sei du mein Aufenthalt,

Bis einst das Herz in stummer Klage bricht, --

Ich möchte jauchzen, doch mein Herz ist kalt,

Ich möchte lieben, und ich kann es nicht!