Mein trautes Lieb

H. Weidt

Der stille Abend ist gekommen,

die Blumen schliefen müde ein;

schon ruht im Dämmerlicht verschwommen

Gebirg' und Heide, Moor und Hain.

Ringsum ein tiefes, sel'ges Schweigen,

es bebt selbst nicht das dürre Ried.

Nur über mir aus grünen Zweigen

singt noch die Nachtigall das Lied:

Ich lieb' dich, traute Kleine

im blonden Lockenhaar,

ich lieb' und werd' dich lieben,

ja lieben immerdar.

Da wachen auf die wilden Rosen

und hauchen wärmer ihren Duft,

und wie geheimes Liebeskosen

geht da ein Weh'n durch alle Luft.

Es wachen auf die jungen Blätter

und heben leis' zu rauschen an,

und wie ein jubelndes Geschmetter

schwingt sich das Lied zu dir hinan:

Ich lieb' dich, traute Kleine

etc.

Die Bäume standen treue Wache

und hielten jeden Lauscher fern,

die Blumen all' am Murmelbache,

die waren unser Teppich gern.

Da glühte rot die weiße Rose

und schloss verwirrt das Auge zu;

nur noch die Nachtigall, die lose,

sang ohne Rast, sang ohne Ruh':

Ich lieb' dich, traute Kleine

etc.

Da sinkt ein Traum auf dich hernieder.

Wir ruh'n im moos'gen Waldesgrund,

ich drück' dein scheues Händchen wieder

und küsse fiebernd deinen Mund.

Du hältst mich eng, gar eng umfangen,

kein Laut, kein Rauschen fern und nah';

nur uns're Liebesschwüre klangen,

und jubelnd, jubelnd sang ich da:

Ich lieb' dich, traute Kleine

etc.