Todesmut

H. Weidt

Wenn ich im Kreis der Freunde säß',

beim frohen Becherklang,

und käm' der blasse Tod zu mir,

dann würd' mir gar nicht bang'.

Das Glas höb' ich zum letzten Mal

voll Frohsinn's in die Höh'

und rief': Ihr Brüder, trinkt mit mir

noch einmal, eh' ich geh'!

Wohl ist's gar schön auf dieser Welt,

doch wirr und bunt geht's zu;

dort unten in dem Grabe wohnt

der Frieden und die Ruh'.

Und säß' ich bei dem Liebchen fein

und herzte es nach Lust,

und käm' der blasse Tod herein,

füllt' Angst mir nicht die Brust.

Ich küsste sie zum letzten Mal

so innig recht und warm:

Leb' wohl, es muss geschieden sein,

im Grab gibt's keinen Harm!

Und träf' mich gar im Schlachtenfeld

die Kugel in die Brust:

'nen schöner'n Tod ja gibt es nicht,

hei, welche Todeslust!

Wenn schmetternd die Dromete tönt

und die Kanone kracht,

lebt wohl, ihr Brüder, halt't euch gut,

seid tapfer! Gute Nacht!

Und plaget ein unnennbar Weh'

mein Herz bei Tag und Nacht,

dann sag' ich wohl: Komm, lieber Tod,

komm schnell, so ist's vollbracht.

Und käme dann der blasse Tod

und spräch': Komm, folge mir!

Wie freudig gäb' ich ihm die Hand:

Willkomm! Ich geh' mit dir.