Rosengruss

Hans Kretzschmer

Heimlich durch's Fenster kam er geflogen,

schüchterner Liebe duftiger Gruß;

sieht sich der hoffende Werber betrogen,

sinnende Maid, warum zögert dein Fuß?

Durch des Gemaches verschwiegene Räume

flutet der Rosen bestrickender Hauch;

wiegt dich in süße, berauschende Träume,

wecket den Frühling im Herzen dir auch.

Bald zu den Lippen wirst du ihn heben,

Rosen zu Rosen, o blühende Zeit!

Aber noch zagst du mit heimlichem Beben;

ahnst du die Dornen, ahnst du das Leid?