Erinnerung
Heinrich August Marschner
Schweigend in des Abend Stille
blickt des Mondes Silberlicht.
Wie es dort mit üpp'ger Fülle
durch die dunkeln Blätter bricht!
Wolken zieh'n auf luft'gen Spuren
tanzend um den Silberschein,
und es wiegen sich die Fluren
sanft zum süßen Schlummer ein.
Und mit Äolsharftönen
grüßt mich die vergang'ne Zeit,
und mich fasst ein heißes Sehnen
nach verschwund'ner Seligkeit.
Bist du ewig mir verloren
meiner Liebe Paradies?
Ach, es klingt in meinen Ohren
deine Stimme noch so süß,
weckt, wenn's still in mir geworden,
mich aus der errung'nen Ruh,
ruft in himmlischen Akkorden
meiner heißen Sehnsucht zu.
In den Tiefen meines Lebens
braust es auf mit Ungestüm,
doch der Ruf erklingt vergebens,
ach, nicht folgen darf ich ihm.
In des Lebens bunten Räumen
ist mein Ideal verblüht,
dämmert nur in meinen Träumen,
lispelt nur in meinem Lied.
Konnt' ich's lebend nicht erwerben,
soll es hier doch ewig blühn,
mit mir leiden, mit mir sterben
und mit mir hinüber zieh'n.