Erwartung
Heinrich Schnaubelt
Komm in den Garten!
Ich harre dein,
will dich erwarten
beim Mondenschein.
Komm zu den Rosen,
dort bei dem Wein
wollen wir kosen,
Geliebter mein!
O komm, o komm, o komm!
Wo Rosen blühen
in Liebesglut,
die Reben glühen
in Feuerblut,
da lass uns lieben
in Rosenluft,
all das Betrüben
scheucht Nektarduft.
O komm, o komm, o komm!
Doch mein gedenke
mit keuschem Sinn,
denn zum Geschenke
nimm ganz mich hin.
Die Sterne steigen
zu uns herab,
und werden zeugen,
was ich dir gab.
O komm, o komm, o komm!
O komm, mein Leben!
Ich harre dein
bei Rosen und Reben
in Liebespein.
Komm in den Garten
zur Lust an's Herz,
lass mich nicht warten
mit Sehnsuchtsschmerz.
O komm, o komm, o komm!