O Ponte molle, du treffliche Bruck

Heinrich Vogl

O Ponte molle, du treffliche Bruck,

Bei der ich geschlürft schon manch tapfern Schluck

Aus strohumflochtener Flaschen,

O Ponte molle, was ist mit mir?

Ein langsamer Trinker sitz' ich allhier,

Kaum mag ich des Weines naschen.

O Ponte molle, 's ist seltsam heut,

Die süße verklungene Jugendzeit

Und die alte Liebe kam wieder,

Es zieht ein heißer Scirocco durchs Land,

Im Herzen lodert der alte Brand,

Es regt sich wie Sänge und Lieder.

O Tibrisstrom, o Sankt Peters Dom!

O du ganzes gewalt'ges allmächtiges Rom!

-- Mögt allsamt gestohlen mir werden.

Wohin auch die unstete Fahrt mich trieb,

Die stille, holdselige Schwarzwaldlieb

Bleibt doch das Schönste auf Erden.

O Ponte molle, -- wie war sie schön!

Und müßt' ich viel tausend Fräulein noch sehn,

Ich priese doch stets nur die Eine.

Und käme sie jetzo des Wegs vorbei,

Dir selbst, du solides Quadergebäu,

Durchzuckte es Mark und Gebeine.

Doch vergeblich die Sehnsucht, vergeblich das Leid.

Die Sonn' ist zu glühend, der Weg zu weit

Und das Fliegen noch nicht erfunden.

Padrone, noch eine Flasche herein!

Der perlenreiche Orvietowein

Mag auch dem Traurigen munden.

O Ponte molle, du treffliche Bruck,

Ich glaube, du lohnest mit bösem, Spuk,

Daß ich mich in Träumen verloren!

Es wirbelt ein Staub an der Heerstraß' auf;

Jetzt sperrt mir ein Ochsen- und Büffelhauf'

Den Heimweg zu Romas Toren!