Sonntags am Rhein

Heinrich Weiß

Des Sonntags in der Morgenstund',

Wie wandert's sich so schön

Am Rhein, wenn rings in weiter Rund'

Die Morgenglocken gehn!

Ein Schifflein zieht auf blauer Fluth,

Da singt's und jubelt's drein;

Du Schifflein, gelt, das fährt sich gut

In all die Lust hinein?

Vom Dorfe hallet Orgelton,

Es tönt ein frommes Lied,

Andächtig dort die Procession

Aus der Kapelle zieht.

Und ernst in all die Herrlichkeit

Die Burg herniederschaut

Und spricht von alter, starker Zeit,

Die auf den Fels gebaut.

Das Alles beut der prächt'ge Rhein

An seinem Rebenstrand,

Und spiegelt recht im hellsten Schein

Das ganze Vaterland,

Das fromme, treue Vaterland

In seiner vollen Pracht,

Mit Lust und Liedern allerhand

Vom lieben Gott bedacht.