Die Flüchtlinge
Hélène Heale
I
Der Hagel klirrt nieder,
Es leuchten die Wogen,
Die Blitze rings sprühen,
Der Schaum kommt geflogen -
Fort! Fort!
Der Donner laut kracht,
Die Wälder all' stöhnen,
Der Sturmwind rings braust
Die Glocken ertönen -
Fort! Fort!
Die Erd' gleich dem Meere
Wankt trümmerbedeckt,
Thier und Mensch sind entfloh'n
Von dem Sturm erschreckt --
Fort! Fort!
II
"Der Steur'mann erbleicht,
Nur ein Segel hat's Boot,
Wer zu folgen jetzt wagte,
Wär' ein kühner Pilot!"
(Rief er.)
(Und sie rief:) "Greif zum Ruder,
Stoß' kühn vom Gestad!"
Und Hagel und Kugeln
Bestreu'n den Pfad
Über's Meer.
Die Leuchtfeuer glüh'n
Von Klippen und Thurm:
Das Geschütz stumm blitzt,
Erstickt von dem Sturm
Von seewärts her.
III
"Und siehst du, und hörst du?
Und banget dein Sinn?
Und jagen wir frei nicht
Über's Meer dahin,
Ich und du?"
Ein Schiffsmantel deckt
Die Liebenden beide;
Ihr Herz schlägt vereint
In stolzer Freude,
Sie flüstern sich zu.
(Wie wankende Berge
Das Meer, sturmumwettert,
Wird gewälzt und gehoben,
Zerklüftet, zerschmettert
Sonder Ruh.)
IV
In dem Schloßhof, neben
Der Pförtnerin, gleich
Geschlagenem Bluthund,
Steht der Bräutigam, bleich
Vor Scham.
Ein todkündend Gespenst,
Steht auf oberstem Thurm
Ein Greis, und vor seiner
Stimme der Sturm
Scheint zahm.
Auf die Letzte und Schönste
Seines Stammes zur Stunde
Einen Fluch er ruft
Wie aus Vaters Munde
Nie kam!