Erscheinung
Henriette Puig-Roget
Sie zieht vorbei, ruhig, in einem göttlichen Traum,
am Ufer des kühlsten deiner Seen, ach, Norwegen...
Das Blut, rosenfarben und fein, das ihren zarten Hals vergoldet,
ist sanft wie ein Strahl dämmernden Morgenlichts auf dem Schnee...
Im unbestimmten Raunen der Esche und Birke,
im Glitzern und im Zauber der Stunde,
geht sie, im blassen Blau des Wassers gespiegelt,
das lautlos gaukelnd Schmetterlinge sanft berühren.
Wenn ein flüchtiger Hauch ihr goldenes Haar streift,
umfließt etwas Unbeschreibbares, wie Asche, ihre Schulter;
und die kristallklaren Augen, die ihre langen Wimpern versilbern,
haben die Farbe schöner Nächte am Pol.
Ungetrübt von Schatten und Begierde, nichts erhoffend
von der vergänglichen Welt, in der keine Flügelwesen weilen,
haben sie niemals gelächelt, niemals geweint,
jene ruhigen Augen, die sich dem Himmelshorizont öffnen.
Und der sinnende Hüter des mystischen Orangenbaums
neigt sich herab von den Balkonen der ewigen Morgendämmerung,
und sieht zu, wie dieses leichtfüßige Wesen vorbeizieht
in den Falten seines unvergänglich weißen Gewandes.