O Sonn', O Meer', O Rose!

Hermann Reutter

O Sonn', o Meer, o Rose!

Wie wenn die Sonne triumphierend sich

Hebt über Sterne, die am Himmel stunden,

Ein Schimmer nach dem andern leis' erblich,

Bis alle sind in einen Glanz geschwunden;

So hab' ich, Liebste, dich

Gefunden:

Du kamst, da war, was je mein Herz empfunden,

Geschwunden

In dich.

O Sonn', o Meer, o Rose!

Wie wenn des Meeres Arme aufthun sich

Den Strömen, die nach ihnen sich gewunden,

Hinein sich diese stürzen brünstiglich,

Bis sie die Ruh im tiefen Schooß gefunden;

So, Liebste, hab' ich dich

Empfunden:

Sich hat mein Herz mit allen Sehnsuchtswunden

Entbunden

In dich.

O Sonn', o Meer, o Rose!

Wie wenn im Frühling tausendfältig sich

Ein buntes Grün hat ringend losgewunden,

Ein hadernd Volk, bis Rose, königlich

Eintretend, es zum Kranz um sich verbunden;

So, Liebste, hab' ich dich

Umwunden:

Der Kranz des Daseyns muss sich blühend runden,

Gebunden

In dich.