Mürrisch sitzen sie und maulen

Hermann Theodor Otto Grädener

Mürrisch sitzen sie und maulen

Auf den Bänken stumm und breit,

Gähnend strecken sich die Faulen,

Und die Kecken suchen Streit.

Da komm ich durchs Dorf geschritten,

Fernher durch den Abend kühl,

Stell mich in des Kreises Mitten,

Grüß und zieh mein Geigenspiel.

Und wie ich den Bogen schwenke,

Ziehn die Klänge in der Rund

Allen recht durch die Gelenke

Bis zum tiefsten Herzensgrund.

Und nun gehts ans Gläserklingen,

An ein Walzen um und um,

Je mehr ich streich, je mehr sie springen,

Keiner fragt erst lang: warum? -

Jeder will dem Geiger reichen

Nun sein Scherflein auf die Hand -

Da vergeht ihm gleich sein Streichen,

Und fort ist der Musikant.

Und sie sehn ihn fröhlich steigen

Nach den Waldeshöhn hinaus,

Hören ihn von fern noch geigen,

Und gehn all vergnügt nach Haus.

Doch in Waldes grünen Hallen

Rast ich dann noch manche Stund,

Nur die fernen Nachtigallen

Schlagen tief aus nächtgem Grund.

Und es rauscht die Nacht so leise

Durch die Waldeseinsamkeit,

Und ich sinn auf neue Weise,

Die der Menschen Herz erfreut.