Bruder und Schwester

H. von Herzogenberg

Ein Bruder und eine Schwester,

Nichts Treueres kennt die Welt,

Kein Goldkettlein hält fester,

Als Eins am Andern hält.

Zwei Liebsten so oft sich scheiden,

Denn Untreu geht im Schwang;

Geschwister in Lust und Leiden

Sich halten ihr Lebelang.

So treu als wie beisammen

Der Mond und die Erde gehn,

Der ewigen Sterne Flammen

Alle Nacht bei einander stehn.

Die Engel im himmlischen Reigen

Frohlocken dem holden Bund,

Wenn Bruder und Schwester sich neigen

Und küssen sich auf den Mund.