In der Fremde, in der Nacht

H. von Herzogenberg

In der Fremde, in der Nacht

Sitz' ich tief alleine,

Und mir wird kein Trost gebracht

Von des Morgens Scheine.

Sonne geht dem Monde nach,

Auf und nieder Sterne,

Aber alle sehn mich ach!

Von der Liebsten ferne.

Nach der Heimat immerdar

Sehnt mein Herz auf's frische.

Wie nach freier Luft der Aar,

Nach dem Wasser Fische.

Wie die Blumen aus dem Thau

Sich zur Sonne wenden.

Muß ich nach der Freundin Gau

Thränenblicke senden.

Ich bin nicht der Fremde Kind,

Ich bin heim geboren.

All mein Denken geht im Wind

Heim nach deinen Thoren.

Wer zuerst auf dieser Welt

Wanderbündel schnürte.

Hat die stille Lust vergällt.

Welche mir gebührte.

Soll ich je geführet seyn

Heim durch Gottes Gnade,

Freudenthränenedelstein

Streu' ich auf die Pfade.

Zwene Boten wähl' ich mir.

Die von mir hinüber

Gehn zu dir, und auch von dir

Gehn zu mir herüber.

Südwind, der vom Meer herauf

Dunstgewölke treibet.

Melde dir den Lebenslauf,

Den mein Seufzen treibet.

Nordwind, der mit frischem Hauch

Hier die Lüfte kläret.

Hat von deinem Antlitz auch

Mir den Gruß gewähret.