Jäger und Jägerin

H. von Herzogenberg

Sie:

Wär ich ein muntres Hirschlein schlank,

Wollt ich im grünen Walde gehn,

Spazierengehn bei Hörnerklang,

Nach meinem Liebsten mich umsehn.

Er:

Nach meiner Liebsten mich umsehn

Tu ich wohl, zieh ich früh von hier,

Doch sie mag niemals zu mir gehn

Im dunkelgrünen Waldrevier.

Sie:

Im dunkelgrünen Waldrevier

Da blitzt der Liebste rosenrot,

Gefällt so sehr dem armen Tier,

Das Hirschlein wünscht, es läge tot.

Er:

Und wär das schöne Hirschlein tot,

So möcht ich jagen länger nicht;

Scheint übern Wald der Morgen rot:

Hüt schönes Hirschlein, hüte dich!

Sie:

Hüt schönes Hirschlein, hüte dich!

Spricht's Hirschlein selbst in seinem Sinn:

Wie soll ich, soll ich hüten mich,

Wenn ich so sehr verliebet bin?

Er:

Weil ich so sehr verliebet bin,

Wollt ich das Hirschlein, schön und wild,

Aufsuchen tief im Walde drin

Und streicheln, bis es stille hielt.

Sie:

Ja, streicheln, bis es stille hielt,

Falsch locken so in Stall und Haus!

Zum Wald springt 's Hirschlein frei und wild

Und lacht verliebte Narren aus.