Mein altes Ross, mein Spielgenoss

H. von Herzogenberg

Mein altes Roß,

Mein Spielgenoß,

Was siehst du mich wiehernd an?

Deine Sehne, wie lahm!

Mein Mut, wie zahm!

Wir reiten nicht mehr hindan!

Du schüttelst dein Haupt,

Deine Nüster schnaubt!

Ich glaube, du träumst, Kamerad:

Wir fliegen zusamm'

Über'm Bergeskamm

Den alten geliebten Pfad!

Ein knarrendes Tor,

Du scharrst davor,

Deine schäumende Stange tropft!

Ein rauschend Gewand,

Eine weiße Hand,

Die den funkelnden Hals dir klopft!

Es stäubt der Kies,

Schlaf süß, schlaf süß;

Und hinaus in die blauende Nacht!

Auf tauigem Rain

Im Mondenschein,

Dahin mit Macht, mit Macht!

Verhängt den Zaum,

Im Herzen ein Traum,

Auf der Lippe den letzten Kuß;

Dumpf hallender Huf

Und Wachtelruf,

Und fern ein rauschender Fluß!

Einen letzten Blick zurück,

Zurück, zurück

Auf der Liebsten schlafendes Haus!

Mein Kamerad,

Wie schad', wie schad',

Daß alles, alles ist aus!

Mein Kamerad,

Den geliebten Pfad,

Den hat verweht der Schee!

Und das Tor verbaut

Und verloren die Braut,

Und mein Herz so weh, so weh!