Sonntagskirchenglocken

H. von Herzogenberg

O wie lieblich locken

Sonntagskirchenglocken

Mich von weitem an,

Rührender Gelindheit,

Wie sie's in der Kindheit

Einst mir angethan!

Soll ich näher gehen,

Soll ich drinnen stehen

In dem kalten Bau?

Er vertreibt mich schüchtern,

Haucht mich an so nüchtern,

Sieht mich an so grau.

Meine Andacht lodert,

Nicht wo Grabduft modert,

Sondern Bergluft weht;

Dennoch könnt' ich neiden

Jeden, der bescheiden

In die Kirche geht.

In die engen Stühle

Drängt im Volksgewühle

Sich mit Fuß und Hand,

Eins mit seinem Putze,

Eins mit seinem Schmutze

Jed's mit seinem Stand.

Meinen Tempel bauen

Kann ich mir im Blauen

Um den Felsaltar,

Wo das Opfer zündet,

Sonne, die verkündet,

Was an Anfang war.

Hier stell' ich alleine

Priester und Gemeine

Mit der Gottheit vor;

Besser eint' und trennte

Glaubenselemente

Dort der vollen Chor.