Der Opernball

Heuberger, Richard

THEOPHIL BEAUBUISSON, Rentier (Bass)

MADAME PALMIRA BEAUBUISSON, seine Frau (Alt)

HENRI, Marinekadett, beider Neffe (Mezzosopran oder Tenor)

PAUL AUBIER (Tenor)

ANGÈLE, seine Frau, Madame Beaubuissons Nichte (Sopran)

GEORGES DUMÉNIL (Tenor)

MARGUÉRITE DUMÉNIL, seine Frau (Sopran)

HORTENSE, Kammermädchen bei Duménil (Soubrette)

FÉODORA, Chansonette (Sopran)

PHILIPPE, Oberkellner im Opernfoyer (Tenor)

JEAN, Kellner

GERMAIN, Diener bei Duménils

CHOR und BALLETT

Ballgäste / Kellner

SYSTEMERSTER AKT

SYSTEMOuvertüre

Georges und Paul

GEORGESKomme eben von Tortoni,

GEORGEShab’ famos dort déjeuniert,

GEORGESAustern, delikate Hummer,

GEORGESund Champagner gut frappiert!

GEORGESDoch was mich besonders freute,

GEORGESfand dort lust’ge Compagnie

GEORGESund die flotte Alphonsine

GEORGESsass bei Tisch mir vis-à-vis!

GEORGESMan wird mir’s vielleicht verübeln,

GEORGESweil ich doch schon Ehemann –

GEORGESDoch ich kenn ein weises Sprüchlein

GEORGESUnd ich halte fest daran:

GEORGESMan lebt nur einmal in der Welt,

GEORGESje toller, desto lieber!

GEORGESUnd chic zu leben, mir gefällt,

GEORGESda geht nichts darüber!

GEORGESMan lebt nur einmal in der Welt,

GEORGESwie schade, ach, wie schad’,

GEORGESJa! Wenn ich des Lebens Schöpfer wär’,

GEORGESdann hätt’s ein Duplikat!

GEORGESLegt Hut und Stock ab

eine Mappe im Arm

PAULHol der Teufel die Geschäfte,

PAULnicht ein Hund möcht’ leben so,

PAULtausend Kunden zu besuchen,

PAULHeidenarbeit im Bureau!

PAULHier auf dem Pariser Pflaster

PAULFällt die Arbeit doppelt schwer,

PAULdenn ringsum das süsse Laster,

PAULund das lieb’ ich gar so sehr!

PAULMeine Frau nur darf’s nicht wissen,

PAULdenn die schwört auf ihren Mann –

PAULaber immer treu zu bleiben,

PAULdas geht schliesslich doch nicht an:

PAULMan lebt nur einmal in der Welt,

PAULje toller, desto lieber!

PAULUnd chic zu leben, mir gefällt,

PAULda geht nichts darüber!

PAULMan lebt nur einmal in der Welt,

PAULwie schade, ach, wie schad’,

PAULJa! Wenn ich des Lebens Schöpfer wär’,

PAULdann hätt’s ein Duplikat!

nach vorn kommend

GEORGESPaul! Bonjour!

GEORGESWo steckst du immer?

GEORGESWarst du schon beim Déjeuner?

Denkt einen Augenblick nach, tut dann, als hätte er einen benommenen Kopf. wichtig tuend

PAULVor der Börse komm’ ich grade,

PAULhab’ vor Arbeit Schädelweh!

lächelnd

GEORGESMir brauchst du nichts vorzumachen,

GEORGESkenn’ dich jetzt genau!

PAULBitte, sprich nicht solche Sachen,

PAULwenn das hörte meine Frau!

legt ihm die Hand auf die Schulter

GEORGES"Man lebt nur einmal in der Welt,…

Paul hält ihm den Mund zu

GEORGESBeide sehen sich um, als wären sie belauscht

GEORGES…je toller, desto lieber!"

leise und heimlich vergnügt

PAULO dies Sprüchlein sing’ ich täglich,

PAULweil’s mir so gut gefällt!

BEIDEMan lebt nur einmal in der Welt,

BEIDEje toller, desto lieber!

BEIDEUnd chic zu leben, mir gefällt,

BEIDEda geht nichts darüber!

BEIDEMan lebt nur einmal in der Welt,

BEIDEwie schade, ach, wie schad’,

BEIDEJa! Wenn ich des Lebens Schöpfer wär’,

BEIDEdann hätt’s ein Duplikat!

Angèle, Herr Beaubuisson, Frau Beaubuisson

ANGÈLELieber Onkel!

ANGÈLEGute Tante!

HERR BEAUBUISSONLiebes Nichtchen!

FRAU BEAUBUISSONLiebes Kindchen!

ANGÈLEIhr seid hier!

HERR BEAUBUISSONNa, so sprich, wie geht es dir?

FRAU BEAUBUISSONNein, nein, erzähl das mir!

HERR BEAUBUISSONNein, nein!

FRAU BEAUBUISSONNein, mir, erzähl das erst mir!

ANGÈLEParis ist eine Götterstadt

ANGÈLEUnd mir geht’s ganz brillant.

ANGÈLESo lang ich leb’ fand ich noch nie

ANGÈLEDas Leben so amüsant!

ANGÈLETheater, Konzerte,

ANGÈLEdas bois und die Toilettenpracht,

ANGÈLEkurzum Vergnügen, Amusement

ANGÈLEvom frühen Morgen, bis in die Nacht!

ANGÈLEDoch fragt Ihr mich: ob die Provinz

ANGÈLEich tauschen möcht’ mit Paris,

ANGÈLEdann sagte ich,

ANGÈLEdoch lacht mich nur nicht aus,

ANGÈLEEuch nichts als dies:

ANGÈLEÜberall, überall ist es schön in der Welt

ANGÈLEUnd Paris, und Paris ist die Rose im Strauss!

ANGÈLEÜberall, überall ist es schön in der Welt,

ANGÈLEdoch am schönsten, am allerschönsten,

ANGÈLEam allerschönsten ist’s doch nur zu Haus!

ANGÈLEAm allerschönsten, am allerschönsten

ANGÈLEam allerschönsten ist’s immer zu Haus!

ANGÈLEParis ist eine Götterstadt,

ANGÈLEder schönste Ort der Welt,

ANGÈLEdoch auch bei uns in Orléans

ANGÈLEes mir nicht minder gefällt!

ANGÈLETheater, Konzerte, das bois

ANGÈLEsind dort wohl unbekannt,

ANGÈLEdoch meine Wirtschaft und mein Haus

ANGÈLEdarin liegt sicher auch viel Verstand.

ANGÈLEDrum fragt Ihr mich: ob die Provinz

ANGÈLEich tauschen möcht’ mit Paris,

ANGÈLEdann sagte ich,

ANGÈLEdoch lacht mich nur nicht aus,

ANGÈLEEuch nichts als dies:

ANGÈLEÜberall, überall ist es schön in der Welt

ANGÈLEUnd Paris, und Paris ist die Rose im Strauss!

ANGÈLEÜberall, überall ist es schön in der Welt,

ANGÈLEdoch am schönsten, am allerschönsten,

ANGÈLEam allerschönsten ist’s doch nur zu Haus!

ANGÈLEAm allerschönsten, am allerschönsten

ANGÈLEam allerschönsten ist’s immer zu Haus!

Hortense, Henri

Henri ausweichend

HORTENSEBitte, lassen Sie mich geh’n!

bittend

HENRIWollen Sie mich nicht versteh’n?

HORTENSEEben, weil ich Sie verstehe,

HORTENSEkomm’ ich nicht in Ihre Nähe

HENRIO Hortense!

kokett

HORTENSESie befehlen?

HENRIDas ist hart, mich so zu quälen!

HENRIIch habe die Fahrt um die Welt gemacht,

HENRIund immer und immer an dich gedacht!

HORTENSEWer’s glaubt, wer’s glaubt, wer’s glaubt!

HENRIIch stand am Steuer in stürmischer Nacht

HENRIUnd hab’, dein gedenkend, ein Ständchen gebracht.

HORTENSEWer’s glaubt, wer’s glaubt, wer’s glaubt!

HENRIDie Wogen des Meeres, die haben’s gehört,

HENRIich sang von der Sehnsucht, die heiss mich verzehrt,

HENRIdas Meer, mitleidig hörte es zu,

HENRIes war nicht so grausam wie du!

HENRISo klang mein Sang:

HENRIHab’ daheim mein Schätzelein,

HENRI's will von mir nichts wissen,

HENRInicht ein einzig Briefelein

HENRItat von ihr mich grüssen.

HENRISegle einsam durch die Welt,

HENRIbesser wär’s zu Zwein,

HENRIund am besten wär’s mit dir,

HENRIsüsses Schätzelein,

HENRImein süsses Schätzelein!

HENRIIch bin ja ein Marinekadett,

HENRIHoi-ho, hoi-ho!

HENRIIch bin zu Land und Wasser adrett!

HENRIHoi-ho, hoi-ho!

HENRIIch habe ja den richt’gen Chic,

HENRIHoi-ho, hoi-ho!

HENRIDu siehst das auf den ersten Blick,

HENRIHoi-ho, hoi-ho!

HORTENSEBei mir hat man so schnell kein Glück,

HORTENSEO-ho, o-ho,

HORTENSESie seh’n das auf den ersten Blick,

HORTENSEich bin nicht so!

HORTENSESie flunkern mir da Geschichten vor,

HORTENSEdie geh’n mir hinein und hinaus durch’s Ohr

lächelt

HENRIWer’s glaubt, wer’s glaubt, wer’s glaubt!

HORTENSESie haben noch nie eine Weltfahrt gemacht

HORTENSEUnd haben auch niemals an mich gedacht.

HENRIO glaub’s, o glaub’s, o glaub’s!

HORTENSESie haben die Schulbank nur blank gewetzt

HORTENSEUnd nie einen Fuss auf ein Schiff noch gesetzt;

HORTENSESie schwindeln mir vor nur vom Wellengrab

HORTENSEUnd das Liedchen, das schrieben Sie ab,

HORTENSEdas schrieben Sie ab! Wie riet das Lied?

HORTENSEWenn du willst ein Schätzelein, such’ dir’s zu erlangen,

HORTENSEmusst jedoch ein Schlaukopf sein, willst du dir eins fangen.

HORTENSEMusst vor allem, merke dir’s, etwas älter sein,

HORTENSEdann, mein allzu junger Freund, denk’ ans Schätzelein,

HORTENSEdenk ans Schätzelein!

HORTENSEUnd sind Sie auch Marinekadett,

HORTENSEHoi-ho, hoi-ho!

HORTENSEUnd sind zu Land und Wasser adrett,

HORTENSEHoi-ho, hoi-ho!

HORTENSESo haben Sie bei mir doch kein Glück,

HORTENSEO-ho, o,ho!

HORTENSESie seh’nm das auf den ersten Blick,

HORTENSEich bin nicht so!

HENRIIch habe ja den richtigen Chic,

HENRIHoi-ho, hoi-ho!

HENRIDu siehst das auf den ersten Blick.

HENRIHoi-ho, hoi-ho!

Angèle

ANGÈLEMir ist, als wär’s nicht recht,

ANGÈLEwas ich beginne;

ANGÈLEmir ist, als wär es schlecht,

ANGÈLEwas ich ersinne!

ANGÈLEIch sollte meinem Manne

ANGÈLEEine Schlinge legen,

ANGÈLEich fürchte, das bring mir

ANGÈLEkeinen Segen,

ANGÈLEund wenn die Wette dann

ANGÈLEich nicht gewinne?

ANGÈLEMir ist, als wär’s nicht recht,

ANGÈLEwas ich beginne!

ANGÈLEEs ist ein kühnes Spiel,

ANGÈLEdas ich will wagen,

ANGÈLEvertrauen sollt’ ich ihm

ANGÈLEganz ohne Zagen.

ANGÈLEDie wahre Liebe, die

ANGÈLEmuss blindlings stets vertrauen,

ANGÈLEmuss auf des Liebsten Treue

ANGÈLEfraglos bauen;

ANGÈLEmöcht’ ich doch nimmermehr

ANGÈLEmein Tun beklagen!

ANGÈLEEs ist ein kühnes Spiel,

ANGÈLEdas ich will wagen.

Angèle, Hortense, Marguerite

SYSTEMZWEITER AKT

SYSTEMEntre-Act

CHORIm Carnevale, auf diesem Balle

CHORlernt man begreifen erst ganz,

CHOR's gibt nur Paris, ein Paradies

CHORvoll Lust und Glanz!

CHORKann man vergleichen

CHORin allen Reichen

CHORdenn mit Paris eine Stadt?

CHORDas fiele schwer,

CHORsehr schwer, in der Tat!

CHORWie schön,

CHORwenn die schönen Masken

CHORsich da dreh’n,

CHORwenn Masken sich drehen,

CHORwie schön, wenn die Masken

CHORtanzend sich dreh’n,

CHORda gibt’s was Schönes,

CHORHerrliches zu sehn!

CHORWie so lockend

CHORdie Mazurka

CHORjetzt erklingt.

CHORHorch, wie’s klingt!

CHORDass zum Tanze

CHORsie jetzt alle

CHORreisst und zwingt.

CHORWie es zwingt!

CHORWie elektrisch

CHORin das Tanzbein

CHORsie eindringt,

CHORdass dahin man fliegt

CHORbeschwingt!

CHORAh, wenn in der Maske

CHORwir sehr chicen Frau’n,

CHORdann macht’s Plaisir

CHORuns zu schau’n

CHORder ganzen Herrenwelt!

CHORUnd wenn in der Maske

CHORwir sehr chicen Frau’n.

CHORdann gucken gleich die Herren hin,

CHORob wir nichts lassen seh’n.

CHORSchönes zu seh’n!

CHOREin Hoch der Freude,

CHORein Hoch dem Tanz,

CHORein Hoch, Paris!

CHORDir im Glanz!

CHOREin Hoch auch

CHORbrausend dem Carneval,

CHORdem Opernball!

Henri, Hortense

Henri tritt während des Ritornells ein und bleibt vor der Uhr, die im Mittelgrunde ist, stehen

HENRIHier ist die Uhr,

HENRIhier soll ich warten,

HENRIes dauert hoffentlich nicht lang,

HENRIdies Rendez-vous,

HENRIdas muss ich sagen,

HENRImacht mir doch ein wenig bang!

HENRIZum ersten Mal, dass eine Dame

HENRImir schrieb solch einen Brief,

HENRIzum ersten Male, zum ersten Male

HENRInur hoffentlich geht’s nicht schief.

sieht nach der Uhr

HENRIWo sie nur bleibt?

HENRIHätt’ ich sie verfehlt?

sieht wieder nach der Uhr

HENRIWie mich die Ungeduld

HENRIPeinigt und quält!

HENRIWo? Wo? Wo ist mein Rosa Domino?

HENRISuch’ ich da? Such’ ich dort?

HENRIDies ist doch der rechte Ort!

HENRIWo? Wo? Wo ist mein Rosda Domino?

HENRIAch, ich seh’ ihn nirgends hier.

HENRIVielleicht dort? Suchen wir!

Ab

Tritt im Rosa Domino mit Maske ein

HORTENSEHier ist die Uhr,

HORTENSEhier soll ich warten,

HORTENSEund er ist noch gar nicht da?

HORTENSENa, es wird nicht zu lange dauern,

HORTENSEdessen sicher bin ich ja!

HORTENSEZum ersten Mal, dass eine Dame

HORTENSEihm schrieb ein Billet-doux,

HORTENSEer kommt bestimmt, 's gibt keinen Zweifel,

HORTENSEer kommt zum Rendez-vous.

HORTENSEWo er nur bleibt? Hätt’ ich ihn verfehlt?

HORTENSERichtig! Da kommt er ja in Eile und Hast!

Hortense tritt ein wenig zurück, so dass sie von Henri nicht gesehen wird und hinter ihm zu stehen kommt

tritt auf, sieht sich suchend um

HENRINirgends zu seh’n!

HENRINicht dort und auch nicht da!

die hinter ihn getreten

HORTENSEDrehen Sie sich um,

HORTENSEda bin ich ja!

Sich rasch umwendend, verlegen

HENRIMadame …

kokett

HORTENSEMonsieur!

sicherer

HENRISie sehen, ich bin zur Stell’!

HENRIO sagen Sie mir, wer Sie sind!

HORTENSEGemach, nicht gar so schnell!

nimmt seinen Arm, lehnt sich an ihn

HORTENSEGeh’n wir ins Chambre séparée,

HORTENSEach, zu dem süssen Tête-à-tête,

HORTENSEdort beim Champagner und beim Souper

HORTENSEman alles sich leichter gesteht!

BEIDEGeh’n wir ins Chambre séparée,

BEIDEach, zu dem süssen Tête-à-tête,

BEIDEdort beim Champagner und beim Souper

BEIDEman alles sich leichter gesteht!

sinnlich, kokett

HORTENSESo kommen Sie!

feurig

HENRIO Engel du!

hält ihm den Mund zu

HORTENSEPst! Nicht so laut! Nur Ruhe, Ruh’!

glühend, gehaucht

HENRIKaum dämpfe ich des Herzens Glut!

sinnlich, kokett

HORTENSESo kommen Sie!

lüstern

HENRIZm Tête-à-tête …

HORTENSEUnd zum Souper …

stürmisch

HENRIWo man gesteht …

hält ihm den Mund zu

HORTENSEStill!

trocknet sich die Stirn

HENRIMir siedet und wallt das Blut,

HENRImir wallt das Blut!

HENRIAch, geh’n wir ins Chambre séparée!

HORTENSEAch, zu dem süssen Tête-à-tête!

BEIDEDort beim Champagner und beim Souper

BEIDEman alles sich leichter gesteht!

BEIDEAch, kommen Sie zum Tête-à-tête

BEIDEins Chambre séparée!

Marguérite, Paul

sehr pikant

MARGUÉRITEMein Herr, es ist Beleidigung,

MARGUÉRITEwenn Sie mich sowas fragen!

MARGUÉRITEWas soll ich als Beeidigung

MARGUÉRITEda weiter Ihnen sagen?

MARGUÉRITEOb man eine Pariserin,

MARGUÉRITEbraucht man nicht zu gesteh’n,

MARGUÉRITEdas muss ein Jeder ohnehin

MARGUÉRITEerkennen und versteh’n!

MARGUÉRITESchau’n Sie sich dieses Füsschen an

MARGUÉRITEin diesem kleinen Schuh.

schnalzt mit den Lippen

PAULUnd wie er niedlich trippeln kann,

PAULda schaut man gerne zu!

MARGUÉRITESchau’n Sie sich dieses Röckchen an

lässt den Domino rauschen

MARGUÉRITEund wie es macht frou frou

dreht sich

wie oben

PAULUnd die Tournüre!

PAULAch, das greift mich an,

PAULbitte, geben Sie schon Ruh!

MARGUÉRITEIst das nicht pschütt,

MARGUÉRITEist das nicht chic?

MARGUÉRITEUnd dann, ob ich gewiss

MARGUÉRITEPariserin, das frägt man doch

MARGUÉRITEnicht nur so her und hin!

BEIDEJa das ist pschütt,

BEIDEja das ist chic,

BEIDEund dann, ob ich gewiss/dass sie

BEIDEPariserin, das sieht man gleich

BEIDEauf den allerersten Blick!

Leicht graziöse Tanzbewegung in Pariser Manier

sehr pikant

PAULMadame, Sie seh’n mich tief beschämt,

PAULwie könnt ich sein im Zweifel,

PAULaus Ihren Augen blitzen ja

PAULpariserische Teufel!

PAULMan hört es auch noch am Dialekt,

PAULden Sie charmant parlieren,

PAULdas lässt sich nicht kopieren.

MARGUÉRITEDann seh’n Sie auch das Händchen hier

MARGUÉRITEUnd wie es fein gantiert.

schnalzt mit den Lippen

PAULDas hat ja höchstens Nummer vier,

PAULso ein Handerl imponiert.

MARGUÉRITEWas sagen Sie zu dem Parfüm,

MARGUÉRITEgibt’s das noch anderswo?

wie oben

PAULJetzt glaub’ ich’s gern,

PAULSie sind Pariserin,

PAULund zwar eine comme il faut.

MARGUÉRITEIst das nicht pschütt,

MARGUÉRITEist das nicht chic?

MARGUÉRITEUnd dann, ob ich gewiss

MARGUÉRITEPariserin, das frägt man doch

MARGUÉRITEnicht nur so her und hin!

BEIDEJa das ist pschütt,

BEIDEja das ist chic,

BEIDEund dann, ob ich gewiss/dass sie

BEIDEPariserin, das sieht man gleich

BEIDEauf den allerersten Blick!

Leicht graziöse Tanzbewegung in Pariser Manier

SYSTEMDRITTER AKT

SYSTEMEntre-Act

Hortense

Es schlägt die Uhr

tritt auf, gähnt und gähnt noch einmal

HORTENSEAch, bin ich müde! Ich muss mich setzen.

Setzt sich auf einen Fauteuil, lehnt sich zurück, die Augen halb geschlossen

HORTENSEEs war zu reizend.

gähnt

HORTENSEDie Herrschaften haben’s gut, die liegen jetzt im Bett,

HORTENSEaber ich muss wie gewöhnlich …

dehnt sich gähnend

Pause

sie spricht im Halbschlummer

HORTENSE… zur Arbeit und ich falle fast um vor Schläfrigkeit …

lacht vergnügt vor sich hin

HORTENSELustig war’s und getanzt hab’ ich rasend.

Tut, als ob sie mit einem Tänzer spräche

HORTENSE"Schöne Maske!"

tut, als ob der Tänzer um Stärkung liefe; kommt zurück

HORTENSE"Ein Glas Limonade gefällig?"

übermütig lachend

HORTENSE"Lieber ein Glas Schampus!"

Lacht hell auf und lässt sich wieder in den Fauteuil fallen, wo sie weiter zu träumen scheint. Lässt einen Arm sinken, kommt in unbequeme Lage, so dass sie plötzlich auffährt. Lacht

HORTENSEUnd der Seebär, Herr Henri!

HORTENSEIch glaube, es hat ihm an Moneten gefehlt.

HORTENSEdas Souper, das er mir servieren liess, war sehr mager,

HORTENSEaber unternehmend wr er im Chambre séparée! Alle Achtung!

singt, zunächst ohne Text

HORTENSE… zum ach, zu dem süssen Tête-à-tête,

HORTENSEdort beim Champagner und bei Souper

HORTENSEman leichter sich alles gesteht.

HORTENSEGeh’n wir ins Chambre séparée,

HORTENSEach zu dem süssen Tête-à-tête,

HORTENSEdort beim Champagner und bei Souper

HORTENSEman Alles sich leichter gesteht.

HORTENSEAch, kommen Sie zum Tête-à-tête

HORTENSEIns Chambre séparée.

Versinkt etwas in Nachdenken

HORTENSEAber Herr Duménil war noch viel unternehmender, o viel!

HORTENSEDen Domino hat er mir sogar verbrannt!

HORTENSEUnd gar Herr Paul Aubier!

HORTENSEWenn das seine Frau wüsste! Vor Liebesglut hat er mir den Domino zerrissen!

HORTENSEIch war froh, dass ich die Beiden vom Halse hatte, aber dann kam ich erst ins Gedränge beim Cotillon … beim Can-Can!

macht einen kecken Pas

HORTENSEIch flog nur so von Hand zu Hand!

Sie beginnt zu tanzen, kommt immer mehr ins Feuer, tanz ab

Henri, Beaubuisson

HENRILieber Onkel, Du hast keine Ahnung,

HENRIwie man mit Weibern verkehrt.

BEAUBUISSONJa, ausser meiner Gattin

BEAUBUISSONHat darüber mich keine belehrt.

HENRIIch lehre Dich, ich habe Routine …

BEAUBUISSONAch geh’, Du Lebe-Säugling, Du,

BEAUBUISSONbin sehr gespannt, wohlan, Herr Lehrer!

HENRINun, junger Mann, so höre mir zu!

HENRIWenn man bei einer Dame man

HENRILiebe will gewinnen,

HENRImuss man mit den Augen erst,

HENRIdas Gefecht beginnen!

HENRIErst sieht man sie lächelnd an,

HENRIspäter aber sehnend,

HENRIschmachtend, glühend, und so fort

HENRIlangsam sie gewöhnend.

HENRIAuf die Fingerspitzen wagt man

HENRIdann die ersten Küsse,

HENRItut so, als ob die seien

HENRIhimmlische Genüsse!

HENRIHat sie einen Handschuh an,

HENRIist man sehr betroffen

HENRIsucht erst und küsst selig dann,

HENRIwo ein Fleckchen offen.

BEAUBUISSONWeiter, weiter, junger Mann, ich sehe,

BEAUBUISSONdass man von dir etwas lernen kann!

HENRIErstens Augen,…

BEAUBUISSONDas ist gut …,

HENRIzweitens lächeln …

BEAUBUISSONDas ist gut …,

HENRIdrittens sehnen …

BEAUBUISSONDas ist gut …,

HENRIviertens glühen …

BEAUBUISSONDas ist gut …,

HENRIfünftens Handkuss

BEAUBUISSONDas ist gut …,

HENRIsechstens selig …

BEAUBUISSONDas ist gut …,

HENRISieb’ntes hat sie Handschuh an,

HENRIsuch man achtens

HENRIein off’nes Fleckchen dran!

BEAUBUISSONDu machst mit Mut,

BEAUBUISSONdas ist sehr gut!

HENRIWie sagt doch der alte Poet,

HENRIder die Sache prächtig verstand?

HENRIKomm’ den Frauen zart entgegen,

HENRIdu gewinnst sie auf mein Wort,

HENRIdoch bist keck du und verwegen,

HENRIkommst du noch viel besser fort!

BEIDEKomm’ den Frauen zart entgegen,

BEIDEdu gewinnst sie auf mein Wort,

BEIDEdoch bist keck du und verwegen,

BEIDEkommst du noch viel besser fort!

HENRIHat man die Gelegenheit

HENRIUnd kann’s niemand hören,

HENRIdann soll amn auf jeden Fall

HENRIseine Lieb’ erklären!

HENRISieht man nun, woran man ist,

HENRIgeht man tapfer weiter,

HENRIund je mehr man tapfer ist,

HENRIna, umso gescheiter.

HENRISie ist erst noch voll Moral,

HENRIfest wie zwanzig Schlösser,

HENRIist sie aber nicht so fest,

HENRIna, dann umso besser,

HENRIhast du’s bis dahin gebracht,

HENRIwirst du sicher siegen,

HENRIschwör ihr: "Bin total diskrett,

HENRIwie das Grab verschwiegen!"

BEAUBUISSONBravo bravo, junger Mann, ich sehe,

BEAUBUISSONdass man von dir etwas lernen kann!

HENRIErstens schwören,…

BEAUBUISSONDas ist gut …,

HENRIzweitens heimlich …

BEAUBUISSONDas ist gut …,

HENRIdrittens tapfer …

BEAUBUISSONDas ist gut …,

HENRIviertens mehr noch …

BEAUBUISSONDas ist gut …,

HENRIfünftens sittlich …

BEAUBUISSONDas ist gut …,

HENRIsechstens wen’ger …

BEAUBUISSONDas ist gut …,

HENRISieb’ntes schwört man, das ist Pflicht,

HENRIdass man achtens

HENRIauch nicht ein Wörtchen spricht!

BEAUBUISSONDu machst mit Mut,

BEAUBUISSONdas ist sehr gut!

HENRIWie sagt doch der alte Poet,

HENRIder die Sache prächtig verstand?

HENRIKomm’ den Frauen zart entgegen,

HENRIdu gewinnst sie auf mein Wort,

HENRIdoch bist keck du und verwegen,

HENRIkommst du noch viel besser fort!

BEIDEKomm’ den Frauen zart entgegen,

BEIDEdu gewinnst sie auf mein Wort,

BEIDEdoch bist keck du und verwegen,

BEIDEkommst du noch viel besser fort!

SYSTEMSchlussgesang

ANGÈLEÜberall, überall ist es schön in der Welt

ANGÈLEUnd Paris, und Paris ist die Rose im Strauss!

ANGÈLEÜberall, überall ist es schön in der Welt,

ANGÈLEdoch am schönsten, am allerschönsten,

ANGÈLEam allerschönsten ist’s doch nur zu Haus!

ALLEAm allerschönsten, am allerschönsten

ALLEam allerschönsten ist’s immer zu Haus!