Undine
Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus
BERTALDA, Tochter des Herzogs Heinrich (Sopran)
RITTER HUGO VON RINGSTETTEN (Tenor)
KÜHLEBORN, ein mächtiger Fürst der Wassergeister (Bariton)
TOBIAS, ein alter Fischer (Bass)
MARTHE, sein Weib (Alt)
UNDINE. ihre Pflegetochter (Sopran)
PATER HEILMANN, Ordensgiestlicher aus dem Kloster Maria-Gruss (Bass)
VEIT, Hugos Schildknappe (Tenor)
HANS, Kellermeister (Bass)
CHOREdle des Reiches - Ritter und Frauen - Herolde - Pagen - Jagdgefolge - Knappen
CHORFischer und Fischerinnen - Landleute - Gespenstische Erscheinungen
SYSTEMERSTER AKT
SYSTEMOuvertüre
Das Innere einer Fischerhütte. Der Hintergrund ist offen und durch einen Vorhang zeltartig verdeckt. Der Haupteingang und die Fenster sind zur Seite. Veit allein
Tritt auf mit einer Armbrust, die er auf die Erde wirft
VEITDa lieg, du altes Mordgewehr,
VEITIch brauche ferner dich nicht mehr.
VEITNach edlerm Wild steht nun mein Sinn,
VEITDenn heute geht's zur Heimat hin.
VEITDank, heiliger Sebastian!
VEITWir treten heut die Reise an.
VEIT0 ich wette, uns zu sehen,
VEITFreut sich jeder wie ein Kind,
VEITDenn die Leute alle wissen
VEITNicht, wo wir geblieben sind.
VEITDa gibt's ein Staunen,
VEITEin Fragen,
VEITEin Drängen,
VEITEin Plagen!
VEITWo? Wer? Wie? Wann?
VEITStille! Ruhig! Hört ihn an!
VEITIhre Neubegier zu stillen,
VEITFang'ich zu erzählen an.
VEITWie es kam, dass wir die Reise
VEITMachten auf so seltne Weise;
VEITWelche Wege wir genommen,
VEITWie wir dann hierher gekommen,
VEITWie wir weinten, wie wir lachten,
VEITEndlich gute Miene machten,
VEITWie es da zum Ende kam
VEITSich mein Herr ein Weibchen nahm;
VEITWas wir tranken, was wir assen,
VEITWo wir gingen, wo wir sassen,
VEITWo und wo, und wie und wie,
VEITDies und das und der und die -
VEITAlles werde ich erzählen,
VEITNicht ein Wort soll daran fehlen,
VEITNicht die kleinste Kleinigkeit;
VEITWären wir doch schon so weit!
VEITDank, heiliger Sebastian!
VEITWir treten heut die Reise an.
Er spricht
VEITWas aus dem Menschen nicht alles werden kann! Daheim war meine einzige Beschäftigung, den Rappen meines Herrn zu zäumen. Und hier bin ich Koch, Kellermeister, Schneider, Schuster, alles in einer Person. Eine Überschwemmung, eine Sintflut nötigte uns, beinahe drei Monate hier zu verweilen. Wer hätte sich das träumen lassen! Mein Herr, der mehr verliebte Abenteuer bestanden hat als irgendein Ritter im Deutschen Reich, führt nun ein Fischermädchen als Ehefrau heim. Heute soll die Hochzeit sein. Die hübsche Undine wird Frau von Ringstetten. Na, na, wenn das nur gut geht. Und was wird unsere letzte Eroberung, die schöne Fürstin Bertalda, dazu sagen?
Man hört Stimmen
VEITAha, da kommt schon der Herr Pater. Nun wird's Ernst! Ich werde es sogleich meinem Ritter melden.
Tobias. Pater. Undine. Marthe. Hugo
TOBIASGott zum Gruss, ehrwürdiger Herr!
PATERWie lange ist es eigentlich her, dass wir uns nicht sahen, guter Tobias?
TOBIASEs werden fünfzehn Jahre. Damals habt Ihr an meinem Pflegekind Undine die heilige Taufe vollzogen.
PATERUndine, Undine? Mir ist, als hatte es damals mit dem Namen eine wundersame Bewandtnis. Es ist mir entfallen, drum erzählt mir den Hergang noch einmal.
TOBIASEs war an jenem Unglückstage, als unser eigenes Mägdelein im See ertrank. Wir armen Eltern sassen abends in unserer Hütte, als plötzlich vor der Tür ein wunderschönes Mägdelein stand. Die Kleine musste im Wasser gelegen haben, denn ihre Haare und Kleider waren ganz nass. Ihr holdseliges Lächeln rührte uns. So behielten wir sie und zogen sie an Kindes Statt auf.
PATERUnd ward euch niemals Kunde von den rechten Eltern?
TOBIASNiemals, ehrwürdger Herr! Es war genau vor fünfzehn Jahren, am Tage Allerseelen ...
PATERAm Tage Allerseelen? Fand damals nicht der Herzog Heinrich? … Doch still. Dort kommt Undine.
Die Vorigen.
Undine in voller Freude auf Marthe und Tobias zueilend
UNDINEAch, welche Freude, welche Wonne!
UNDINEHell erstrahlt die liebe Sonne
UNDINEWieder auf des Dörfchens Flur!
UNDINEBunte Wiesen, grüne Auen
UNDINEWieder kann das Auge schauen,
UNDINENeu verjüngt ist die Natur!
UNDINELieber Vater, liebe Mutter!
UNDINEAch, die Lust erdrückt mich schier!
UNDINEFreut euch doch, freut euch mit mir.
auf den Pater zeigend
TOBIASEi, liebes Kind,
TOBIASBist du denn blind?
TOBIASSiehst du denn nicht,
TOBIASWer vor dir steht?
UNDINEIch bitte, lieber Herr, verzeiht!
zu den Eltern
UNDINEWer ist der Mann im weissen Kleid?
UNDINEGar würdig ist er anzusehn.
für sich
PATEREin holdes Kind, ich muss gestehn.
die währenddessen von den Alten unterrichtet worden ist
UNDINEEhrwürd'ger Vater, Euren Segen!
UNDINESo wollet unsre Hände Ihr
UNDINEHeut gütig ineinanderlegen?
zu den Alten
UNDINEWarum ist Hugo noch nicht hier?
zum Pater
UNDINEEin schöner Mann, mein Bräutigam,
UNDINEAuch sollt Ihr wissen, wie es kam,
UNDINEDass er gerade mich erwählt. -
zu den Alten
UNDINESo habt ihr ihm noch nicht erzählt
UNDINEVon seinem Stand;
UNDINEDass in der Stadt
UNDINEUnd auch bei Hof
UNDINEEr Ansehn hat?
zum Pater
UNDINEEr kam als Fremdling zu uns her -
UNDINEDa wurde unser See zum Meer -
UNDINEDa musst'er weilen, sicherlich
UNDINEDrei Monden lang - da sah er mich,
UNDINEDa sah ich ihn - und da - und da -
UNDINEden Alten um den Hals fallend
UNDINEErzählt nun weiter, was geschah.
MARTHE, PATER, TOBIASDie lautre Unschuld steht sie da.
von aussen
HUGOUndine!
UNDINEEr ist's!
UNDINEMein Liebster ruft!
Die Vorigen. Hugo
ihm entgegen
UNDINEMein Hugo!
HUGOTeure Braut!
HUGOIch suchte dich im Freien!
sich tief vor ihm neigend
UNDINEMein Herr wird mir verzeihen -
den Pater gewahrend
HUGOWen seh' ich? Teurer Freund!
UNDINE, MARTHE UND TOBIASIhr kennt euch?
zu den andern
PATERAus Räuberhand befreit'
PATERMich einst sein tapfrer Arm.
PATERNochmals nehmt heissen Dank!
HUGOLasst das, ehrwürd'ger Herr!
HUGOMein teurer, alter Freund!
MARTHE UND TOBIASWie wunderbar!
kindisch um den Pater springend
UNDINEEin alter Freund! Ein teurer Freund!
UNDINESo sieht ein teurer, alter Freund?
UNDINEHahahahahahahaha!
HUGOUndine! Sei nicht so kindisch doch.
MARTHE UND TOBIASUndine! Welch Betragen!
HUGO UND PATERWelch Betragen!
plötzlich ernst
UNDINESeid mir nicht bös, ich tu's gewiss nicht mehr.
PATERMein holdes Mägdelein,
PATERDu kannst nicht wehe tun
PATERMit deiner reinen Seele.
UNDINEMit meiner Seele? Sagt doch an:
UNDINEIst nicht die Seele nur ein Wahn?
erstaunt
MARTHE, HUGO, PATER UND TOBIASDie Seel'ein Wahn? Was sprichst du,
MARTHE, HUGO, PATER UND TOBIASMädchen?
traurig
UNDINE' s mag etwas Liebes, ich gesteh' es ein,
UNDINEDoch auch was Schreckliches
UNDINEUm eine Seele sein!
UNDINEEin Höherer gab mir das Leben,
UNDINEDoch eine Seele ward mir nicht gegeben.
DIE ANDERNO Gott im Himmel! -Was sagt sie da?
bricht nach innerm Kampfe in Tränen aus
UNDINEVernehmet denn! - Ich armes Kind!
UNDINENicht sagen kann ich, was mich quält,
UNDINEWarum mir, ach, die Seele fehlt.
UNDINEAch, geht mit mir nicht ins Gericht!
UNDINEBei Gott, nichts Böses aus mir spricht!
Sie sinkt auf die Knie
PATERIhr Freunde wisst, dass ich an eurem Kinde
PATERNichts Übles, doch viel Wundersames finde.
PATERDrum habt Geduld: der Herr der Gnade
PATERWird leiten sie zum rechten Pfade.
UNDINEHerr der Liebe, Herr der Gnade,
UNDINELeite mich zum rechten Pfade!
UNDINEWas mit Ehrfurcht sie nur nennen,
UNDINEHerr, das lehre mich erkennen,
UNDINEGläubig flehe ich dich an:
UNDINEStärke mich auf meiner Bahn.
MARTHE, HUGO, PATER UND TOBIASHerr der Liebe, Herr der Gnade,
MARTHE, HUGO, PATER UND TOBIASLeite sie zum rechten Pfade!
MARTHE, HUGO, PATER UND TOBIASWas mit Ehrfurcht wir nur nennen,
MARTHE, HUGO, PATER UND TOBIASHerr, das lehre sie erkennen,
MARTHE, HUGO, PATER UND TOBIASGläubig flehen wir dich an:
MARTHE, HUGO, PATER UND TOBIASStärke sie auf ihrer Bahn.
Die Vorigen. Veit.
VEITO weh, o weh!
DIE ANDERNWas ist denn geschehen?
VEITDer See fängt plötzlich wieder an zu rauschen und zu toben; ich fürchte, unsere Reise wird abermals zu Wasser.
beiseite
UNDINESei ruhig, Kühleborn! Noch hast du keinen Grund zu zürnen.
PATERFolgt mir zur Kapelle. Ein frommes Gebet dämpft vielleicht die wilden Wogen.
UNDINEDu blickst so düster, mein geliebter Freund! Bist du mir böse?
HUGOO nein, teure Undine! Nur sage mir, schon öfters nanntest du den Namen Kühleborn, von dem man wunderliche Dinge erzählt.
UNDINEAch Märchen! Nichts als Märchen! Doch still davon, es naht unsere Hochzeitsstunde. Ich will dich jetzt zum Feste schmücken!
HUGOMein einziger Schmuck bist du allein!
UNDINEO, diese herrliche Schärpe! Gewiss ein Geschenk von Frauenhand. O, bitte, bitte erzähle mir, wer sie dir gab.
HUGOIch ritt zum grossen Waffenspiele
HUGOJüngst in die freie Reichsstadt ein;
HUGODer tapfren Ritter kämpften viele,
HUGODoch mir verblieb der Sieg allein.
HUGOAuf die Binde deutend.
HUGOBertalda gab dies Siegespfand
HUGOUnd sprach, von hoher Glut entbrannt:
HUGO"Zum Zauberwalde mögt Ihr eilen,
HUGOUnd könnt Ihr Kunde mir erteilen
HUGOVon jener wundersamen Macht,
HUGOWerd' süsser Lohn Euch dargebracht."
ängstlich
UNDINEDu liessest dich doch nicht verleiten?
zärtlich
UNDINEDoch sonst besäss'ich dich ja nicht.
HUGOFür Frauenschönheit kühn zu streiten,
HUGOErheischen Ehr' und Ritterpflicht.
UNDINESo siehst du sie denn wieder?
HUGOMuss ich nicht?
UNDINESo liebst du sie?
HUGOWas fällt dir ein?
HUGOSie ist schön, doch stolz und strenge;
HUGOKurz - ein Weib, das einen Mann
HUGONimmermehr beglücken kann.
HUGODer nur lebt beglückt hienieden,
sie feurig umarmend
HUGODem ein solches Weib beschieden.
BEIDEO(Ich) halte fest an diesem Glauben,
BEIDEBleib immerdar dem Schwur getreu.
BEIDELass dir den süssen Wahn nie rauben,
BEIDEDass ich dein Glück, dein alles sei.
VEITVerzeiht, wenn ich störe, gestrenger Herr!
VEITDoch diesmal bring' ich gute Botschaft.
VEITDas Wasser fliesst wieder so ruhig wie zuvor.
HUGOGottseidank!
leise
UNDINEDank Kühleborn!
VEITO, das Wichtigste hätte ich ja beinahe vergessen!
VEITDraussen warten die jungen Leute aus dem Dorfe, um euch zur Trauung zu geleiten.
Die Vorigen. Junge Burschen und Mädchen
CHORZüchtig Bräutlein, darfst erscheinen
CHORMit dem schmucken Bräutigam,
CHORDer mit dir sich zu vereinen
CHORHer aus weiter Ferne kam.
CHORMild lächelt die Sonne
CHORDem Tag eurer Wonne,
CHORVerkündend dem Bunde
CHORNur Segen und Glück.
CHORO möge euch beide
CHORVor jeglichem Leide
CHORBewahren auf immer
CHOREin gütig Geschick!
CHORFolgt, o folget zum Altare,
CHORLange schon das Glöcklein hallt.
CHORBlumen streut dem holden Paare
CHORAus dem Dörflein jung und alt.
Undine, mit einem Kranze geschmückt, wird von den Männern, Hugo von den Mädchen abgeführt
Veit. Später Kühleborn
VEITWelch ein Glück, dass die Wellen mir ein Weinfass vor die Füsse gerollt haben. Nun kann es ein lustiges Hochzeitsfest werden. Ich will einmal kosten. Hmm, ein guter Tropfen!
KÜHLEBORNMir auch!
VEITWas soll das heissen, mir auch?
VEITWer seid Ihr denn, Herr?
KÜHLEBORNIch heisse Kühleborn!
VEITDen Namen, mein ich, hätte ich schon gehört.
KÜHLEBORNWollt Ihr mir von meinem eigenen Wein keinen Tropfen gönnen?
VEITWieso, Euer Wein?
KÜHLEBORNSo hört! Ich befand mich mit meinen Weinfässern auf dem Wasser, als die wilden Wogen meinen Kahn umstürzten.
VEITSo also verhält es sich mit dem Fasse! Nun, da nehmt!
KÜHLEBORNVielen Dank. Auf das beständige Glück des jungen Paares!
Höhnisch lachend
VEITWas gibt's denn dabei zu lachen?
für sich
KÜHLEBORNWill seh'n, ob nicht der Wein dem Burschen die Zunge löst, und er mir die Absichten seines Herrn Ritters verrät.
leise
VEITDer Mann kommt mir ganz unheimlich vor.
KÜHLEBORNIhr betrachtet mich so misstrauisch. Schenkt ein, Freund! Ihr werdet gleich Vertrauen zu mir haben.
KÜHLEBORNUns beiden ist die Hauptstadt wohlbekannt!
VEITMir wohl, ob Euch, das weiss ich nicht.
KÜHLEBORNIch liefre den Beweis Euch gleich zur Hand,
KÜHLEBORNDass wahr, was meine Zunge spricht,
KÜHLEBORNBei dem Turniere war ich jüngst zugegen -
KÜHLEBORNGebt acht und hört mich ruhig an -
KÜHLEBORNWo Euer Herr, fürwahr ein tapfrer Degen,
KÜHLEBORNDes Sieges ersten Preis gewann.
VEITDie Sach' hat ihre Richtigkeit -
VEITNur weiter, Herr, nur weiter.
KÜHLEBORNAuf Euren Ritter sahn mit Wohlgefallen
KÜHLEBORNDie schönen Frauen aus dem Reich;
KÜHLEBORNDoch huldigte er einer nur von allen;
KÜHLEBORNBertalda! Sie gefiel ihm gleich.
VEITAuch das hat seine Richtigkeit -
VEITNur weiter, immer weiter.
KÜHLEBORNEs kreisten drauf beim Mahle -
KÜHLEBORNHab'ich gefehlt? Verzeiht, ehrwürd'ger Herr -
KÜHLEBORNDie schäumenden Pokale,
KÜHLEBORNUnd an Bertaldas Seite,
KÜHLEBORNSchwelgend in Lust und Freude,
KÜHLEBORNSass Euer Herr.
VEITDie Sach hat ihre Richtigkeit.
KÜHLEBORNUm auch von Euch zu sprechen -
KÜHLEBORNEuch sah ich wacker zechen.
VEITWie?
KÜHLEBORNIhr unten in der Halle -
KÜHLEBORNIhr tranket mehr als alle
KÜHLEBORNUnd schwanktet hin und her
VEITIhr übertreibet sehr.
KÜHLEBORNDoch bald vom Weine trunken,
KÜHLEBORNWart Ihr in Schlaf gesunken
KÜHLEBORNUnd lagt am Boden schwer.
VEITAuch das hat seine Richtigkeit -
VEITNicht weiter, Herr, nicht weiter.
VEITKennt Ihr den langen Balthasar?
KÜHLEBORNDen Schlossvogt? Will ich meinen.
VEITDen Kellermeister auch wohl gar?
KÜHLEBORNDer ist flink auf den Beinen.
VEITDer dicke Hans am Meierhof?
KÜHLEBORNWird dicker noch tagtäglich.
VEITDie Ziegen und die Esel -?
KÜHLEBORNAuch.
höchst erfreut
VEITAch, es ist wohl nicht möglich!
VEITDer Mann kennt ganz genau
VEITVom Prunksaal bis zum Stalle
VEITMeine Bekannten alle.
VEITDas wird ein Jubel sein - Juchhe!
VEITWenn ich sie alle wiederseh'.
KUHLEBORNVergönnt auch mir zu fragen:
KUHLEBORNWie hat sich's zugetragen,
KUHLEBORNDass Euer Herr sobald
KUHLEBORNBertaldas Bild vergass?
VEITSo wähnet Ihr, es sei
VEITDamit schon ganz vorbei?
gespannt
KÜHLEBORNIhr zweifelt?
VEITEi, da kenn'
VEITIch meinen Ritter besser.
KÜHLEBORNSo glaubt Ihr - ?
VEITDie Verbindung
VEITIst nur - ich fürchte sehr -
VEITEin Abenteuer mehr.
KÜHLEBORNDas Fischermädchen wäre -
heimlich
VEITGeprellt, auf meine Ehre.
in Zorn ausbrechend
KÜHLEBORNHa, schändlich! Verspottet!
KÜHLEBORNVerhöhnt! Verraten!
erschrocken
VEITBeim heiligen Sebastian -
VEITHerr Kühleborn, was kommt Euch an?
sich fassend
KÜHLEBORNVerzeihung, Freund, es fiel mir bei,
KÜHLEBORNDass ich von einem bösen Kunden
KÜHLEBORNUm teures Gut betrogen sei.
KÜHLEBORNSchenkt immer ein, das wird sich geben,
KÜHLEBORNDie Reichsstadt, sie soll leben!
KÜHLEBORNIhr seht, dass ich Euch kenne,
KÜHLEBORNDa ich Euch alles nenne,
KÜHLEBORNWas dorten ist geschehn.
KÜHLEBORNDas sind nur kleine Schwächen
KÜHLEBORNUnd menschliche Gebrechen,
KÜHLEBORNDie muss man übersehn.
KÜHLEBORNDrum schenket fröhlich ein,
KÜHLEBORNWir wollen Freunde sein.
VEITIch seh, dass Ihr uns kennet,
VEITDa Ihr uns alles nennet,
VEITWas dorten ist geschehn.
VEITDas sind nur kleine Schwächen
VEITUnd menschliche Gebrechen,
VEITDie muss man übersehn.
VEITDrum schenket fröhlich ein,
VEITWir wollen Freunde sein.
Eine Glocke ertönt
VEITHört Ihr wohl, die Trauung ist vorüber.
Er räumt alles beiseite
für sich
KUHLEBORNUndine, teures Kind,
KUHLEBORNDein Los ist nun geworfen!
KUHLEBORNDoch möge, was da wolle, auch geschehn,
KUHLEBORNIch werde rettend, rächend dir zur Seite stehn.
Er verliert sich unter der eintretenden Menge
Ein See, von einer anmutigen Landschaft begrenzt. Undine und Hugo werden von den Fischern geleitet. Tobias und Marthe folgen. Veit. Später Kühleborn
Während Tänzer und Tänzerinnen grüne Kränze und Zweige schwingen
CHORIhr seid nun vereint!
CHORUnd Freude, Glück und Segen
CHORGeleiten euch stets
CHORAuf allen Lebenswegen.
CHORAus jedem Munde
CHORDer Glückwunsch tönt:
CHORHeil eurem Bunde,
CHORDen Liebe krönt.
UNDINE UND HUGOO fühl an meines Herzens Schlagen,
UNDINE UND HUGOWie rosig mir die Zukunft lacht.
UNDINE UND HUGOSüsse Stunde!
Undine, Hugo, Marthe und Tobias nehmen zur Seite Platz. Veit hat das Fass in die Mitte der Bühne geschafft; es wird gezapft und getrunken
VEITIch weiss ein Ding, schlürft man es ein,
VEITSo ist es nass und kalt,
VEITDoch friert man nicht, denn hinterdrein
VEITWird einem heiss gar bald;
VEITDa gibt man närr'sche Streiche an,
VEITMan jubelt, singt und lacht
VEITUnd nimmt sich Dinge vor, woran
VEITMan vorher nicht gedacht.
VEITMan schwatzet vieles, klug und dumm,
VEITMan springt vor Lust und fällt auch um.
VEITWas mag das für ein Ding wohl sein?
VEITStrengt euren Scharfsinn an.
wiederholt
MÄNNERCHORWas mag das für ein Ding wohl sein?
MÄNNERCHORStrengt euren Scharfsinn an.
VEITEs ist der Wein,
VEITZur Freude uns gegeben!
VEITStosst an, stosst an,
VEITMit ihm auf ihn,
VEITDer edle Wein soll leben.
wiederholt
MÄNNERCHOREs ist der Wein,
MÄNNERCHORZur Freude uns gegeben!
MÄNNERCHORStosst an, stosst an,
MÄNNERCHORMit ihm auf ihn,
MÄNNERCHORDer edle Wein soll leben.
SYSTEMTanz
VEITDoch halt! Wo ist der Mann, dem wir
VEITDen edlen Wein verdanken?
CHORDer Mann? Der Mann?
VEITJe nun, mein Freund,
VEITHerr Kühleborn.
erschrocken zurückweichend
ALLEKühleborn!
VEITWas gibt es denn?
CHORO frevle nicht! O wecke nicht
CHORDen Zorn der wilden Wogen.
HUGOWas deutet das?
ihn beruhigend
UNDINE's ist nichts, mein Freund -
UNDINEDes Volkes Aberglaube.
Tritt in der Maske der Kleidung des Paters Heilmann aus dem Hintergrunde mit erhobenen Armen in die Mitte
KÜHLEBORNFriede mit euch!
Das Volk beugt sich vor Kühleborn
zu Kühleborn
HUGOSo kehret Ihr nicht heim,
HUGOWie Ihr beschlossen?
KÜHLEBORNGeratner schien es mir,
KÜHLEBORNEuch schützend zu begleiten.
KÜHLEBORNMit frommen Sprüchen bannend
KÜHLEBORNDen Spuk der bösen Geister.
HUGOHabt Dank, mein gutes Schwert
HUGOAllein mir schon genügt.
Er tritt mit Veit zurück, ihm Befehle erteilend
für sich, spöttisch
KÜHLEBORNHa, kühner Held, fürwahr,
KÜHLEBORNdu machst mich beben.
heimlich zu Kühleborn
UNDINEWas wollt Ihr hier?
UNDINEWas treibt Euch zu erscheinen?
KÜHLEBORNDein Glück und unsres Reiches Ehre!
UNDINEHinweg! denn nicht mehr Euch gehör'ich an.
KÜHLEBORNO töricht Kind!
zurücktretend
KÜHLEBORNWie reut mein Ehrgeiz mich!
vortretend
HUGOSag Lebewohl den teuren Eltern,
HUGOGeliebtes Weib, es muss geschieden sein.
UNDINEIch scheide nun aus eurer Mitte,
UNDINELebt wohl, geliebte Eltern mein,
UNDINELeb wohl, du traute, stille Hütte,
UNDINEDu wirst mir ewig teuer sein.
UNDINELebt wohl, Gespielen früher Tage,
UNDINEMir bricht das Herz vor Trennungsweh!
UNDINEO dass ich ohne Schmerz und Klage
UNDINEEuch alle, alle wieder säh!
HUGOIhr Freunde, auf, verbannt den Schmerz,
HUGOLasst fröhlich uns von hinnen scheiden.
CHORVerscheucht der Wehmut bittre Schmerzen
CHORUnd zieht mit heitrem Sinn
CHORZur neuen Heimat hin.
CHORIhr lebet fort in unsern Herzen!
CHORGedenkt in eurem Glück
CHORDann auch an uns zurück.
CHORHoch Bräutigam und Braut!
Während des Chores nehmen Undine und Hugo von den Alten Abschied, knien nieder usw. Veit führt seines Herrn reichgeschmücktes Pferd vor; Undine wird auf dasselbe gehoben, zu beiden Seiten des Pferdes gehen Hugo und Kühleborn; die jungen Burschen und Mädchen schwenken Kränze.
SYSTEMZWEITER AKT
Prachtvoll geschmückte Halle. Durch die offenen Säulengänge blickt man in den Garten, in dessen Mitte sich ein grosses Marmorbassin befindet, zu weichem Stufen führen. In der Mitte des Beckens steht auf einem Portament die Statue des Meeresgottes, von Kaskaden umströmt.
SYSTEMEntreacte
Kellermeister Hans. Veit
HANSWas seh' ich! Ihr seid glücklich wieder da?
VEITNun freilich! Ihr seht es ja.
HANSEi, Herr Veit!
VEITEi, Herr Hans!
HANSLebt Ihr noch?
VEITDenke doch.
HANSEi, das freuet mich ja sehr!
HANSEuer Herr?
VEITEbenfalls.
HANSKam mit Euch?
VEITAlsogleich.
HANSWo kommt Ihr her?
VEITNur Eile
VEITMit Weile,
VEITLasst mich nur ein wenig fassen.
HANSAch, Freundchen,
HANSWie könnt Ihr
HANSMich so lange schmachten lassen!
VEITWird schon kommen, wird schon kommen;
VEITSeht mich nur erst einmal an.
VEITHabt Ihr noch nicht wahrgenommen,
VEITDass ich ein ganz andrer Mann?
HANSDas versteht sich, das versteht sich,
HANSEuer Wesen zeigt es klar;
HANSDenn Ihr sehet aus wie einer
HANSDer auf einer Reise war!
BEIDEO wie köstlich ist das Reisen!
BEIDEMancherlei man profitiert;
BEIDEGlücklich kann sich jeder preisen,
BEIDEDem solch Los zuteile wird!
erzählend
VEITUnsre Reise ging von Anfang
VEITZiemlich gut vonstatten, doch
VEITPlötzlich stellten sich entgegen
VEITFelsen uns, wie Türme hoch.
VEITStröme, Buchten,
VEITHöhlen, Schluchten,
VEITWälder, die kein Menschenfuss
VEITJe betreten haben muss.
VEITHatten wir dort zu passieren.
VEITGelt, Ihr staunt?
HANSUnerhört!
VEITDa den Mut nicht zu verlieren!
sehr gemütlich
HANSSeid Ihr denn nicht eingekehrt?
VEITIhr seid wohl närrisch?
VEITHört das Wichtigste!
HANSSehr gerne.
VEITMein Herr Ritter - gebet acht -
VEITHat von dort aus weiter Ferne
VEITSich ein Weibchen mitgebracht.
HANSWie, ein Weibchen?
VEITHold und schön.
HANSHold und schön?
VEITSollt sie sehn.
HANSEin Weibchen!
BEIDEO wie köstlich ist das Reisen!
BEIDEMancherlei man profitiert;
BEIDEGlücklich kann sich jeder preisen,
BEIDEDem solch Los zuteile wird!
HANSEs freut mich, dass Euch die Geister nicht totgeschlagen haben. Sagt mal, Euer Ritter hat sich
HANSvermählt?
VEITJa! Ja! Sie ist ein wahrer Engel. Aber, aber...
HANSAlso doch ein Aber!
VEITHerr Hans, Ihr seid ein verschwiegener Mann, Euch kann ich es vertrauen. Unsere neue Herrin, also dieses Fischermädchen ist, ist eine Nix!
HANSHeiliger Sebastian!
Die Vorigen.
Mehrere Hofbeamte tragen in Begleitung von Hellebardierern auf einem Kissen ein Kästchen. Hugo. Undine
VEITWas tragen denn die auf dem Kissen?
HANSEs ist aus der Schatzkammer das geheimnisvolle Kästchen, das Wichtiges über die Geburt der Fürstin Bertalda enthält. Heute, an ihrem Geburtstage soll es geöffnet werden.
HANSPst, jetzt Euer Ritter und die Ni ...
HUGOHast du der Fürstin Bertalda unsere Ankunft gemeldet?
VEITO weh, ich war soeben im Begriff!
leise
HANSEs ist kaum zu glauben, so lieblich und ein Meerungeheuer!
VEITPst!
unbefangen
UNDINEWas meint Ihr?
VEITVerzeiht, gestrenge Herrin, er wundert sich darüber, dass Ihr so, so ausseht.
HUGOGeht, lasst uns allein.
UNDINEWas meint denn der Knappe mit meinem Aussehen?
HUGODu kennst den munteren Burschen ja. Lass ihn! Du bist so seltsam bewegt, geliebte Undine. Verrate mir jetzt das Geheimnis, von dem du bei unserer Hochzeit gesprochen hast.
UNDINEWohlan denn, mein Geliebter.
UNDINESo wisse, dass in allen Elementen
UNDINEEs Wesen gibt, die aussehn fast wie ihr;
UNDINEIn Feuers Flammen spielen Salamander,
UNDINEDie Gnomen hausen in der Erde Tiefen,
UNDINEIn Äthers Blau und in den Strömen lebet
UNDINEDer Geister viel verbreitetes Geschlecht.
nach unten deutend
UNDINEIn den Kristallgewölben wohnt sich's schön,
UNDINEHohe Korallenbäume leuchten dort;
UNDINEGar lieblich anzuschaun sind,
UNDINEDie da unten wohnen,
UNDINEUnd meist viel schöner als die Menschen sind.
UNDINEManch einem Fischer ward es schon so wohl,
UNDINEEin zartes Wasserweibchen zu belauschen,
UNDINEWenn singend es hervorstieg aus den Fluten.
UNDINESolch seltne Frauen nennt der Mensch:
UNDINEUndinen -
UNDINEUnd solch ein Wesen -- siehst du vor dir stehn.
Hugo tritt mit innerlichem Schauer zurück
fährt seufzend fort
UNDINEO wende dich nicht ab, mein teurer Freund!
UNDINEWir sind euch gleich
UNDINEAn Geist und Leib,
UNDINEWir leben harmlos
UNDINEUnd zufrieden.
UNDINEIn einem nur sind wir von euch verschieden,
UNDINENicht winket uns ein ew'ges Heil!
UNDINEDenn - keine Seel' ward uns zuteil.
Hugo macht abermals eine Bewegung
UNDINEDoch kann auf Erden
UNDINEUnd im innigsten Vereine
UNDINEMit euch
UNDINEMan dieses hohen Glücks
UNDINETeilhaftig werden.
UNDINEDu ahnest nicht, was mich bewegt,
UNDINEWas hier im Innersten sich regt?
UNDINEIch bin beseelt!
UNDINEDir dank'ich meine Seele
UNDINEUnd werde ewig sie dir danken,
UNDINEWird deine Treu' nicht wanken,
UNDINEMachst du nicht elend mich. -
UNDINEEntscheide nun,
UNDINEMein teurer Freund!
UNDINEDarf ich fortan
UNDINEAn deinem Herzen
UNDINEBeseligt ruhn?
UNDINEO sprich, o sprich, mein teurer Freund!
UNDINESo unaussprechlich lieb'ich dich!
Hugo, überwältigt, breitet die Arme aus, Undine sinkt an seine Brust
UNDINEIch bleibe dein!
UNDINEDu bleibst mein!
UNDINEDank, ewig Dank.
UNDINEZu neuem Leben
UNDINEBin ich erwacht.
UNDINEKaum kann ich's tragen,
UNDINEWas mich so glücklich,
UNDINESo selig macht.
Jagdgefolge, später Bertalda, von Kühlebom geführt, mit ihren Frauen
KÜHLEBORNFür Euch, o Fürstin, eine frohe Kunde.
KÜHLEBORNDer Ritter, den Ihr nach dem Zauberwald gesandt
freudig
BERTALDAEr lebt, er lebt?
CHOREr lebt?
KÜHLEBORNWirft sich zu Euren Füssen.
Die Vorigen. Hugo. Später Undine
sich vergessend, ihm entzückt entgegeneilend
BERTALDAMein Hugo!
gefasst
BERTALDASeid willkommen, edler Ritter! So seid Ihr glücklich wieder heimgekehrt?
HUGOJa, glücklich und beglückt kehr' ich zurück:
HUGO'ne mächt'ge Zauberin hielt mich gefangen,
HUGONicht trennen konnt' ich mich von ihr, deshalb
HUGOFührt' ich sie mit; vergönnt, dass sie erscheine.
BERTALDAWas deutet das?
beiseite
KÜHLEBORNDu wirst es gleich erfahren.
Undine hereinführend
HUGOSeht, edle Fürstin, hier mein treues Weib.
BERTALDAWas sagt Ihr? Ihr seid vermählt?
für sich
BERTALDAStürzt, Mauern, über mich! Ich bin vernichtet.
in Bertaldas Anschauen verloren
UNDINEMir ist, als säh'ich nicht
UNDINEzum ersten Male Euch -
UNDINEGar wundersam wird mir bei Eurem Anblick.
UNDINEsich wendend
UNDINEWen seh' ich, Kühleborn!
winkt ihr zu schweigen
zu Undine
HUGOKennst du den Ritter?
UNDINEO schweig, Geliebter!
Sie bedeutet ihm, ruhig zu sein
misst Kühleborn mit argwöhnischen Blicken
HUGOEr winkt! Sie schweigt!
HUGOHa, welch ein Argwohn!
HUGOWas ergreift mit bangem Schrecken
HUGOUnd mit Angst die Seele mein?
HUGOWill Verdacht man in mir wecken,
HUGOUnd meiner Ruhe Störer sein?
HUGOAngst und Schrecken!
HUGOWill Verdacht ich nicht erwecken,
HUGOZiemt Verstellung mir allein!
HUGOSüsses Glück, mir kaum beschieden,
HUGOO, enteilest du so bald?
KÜHLEBORNEs ergreift mit bangem Schrecken
KÜHLEBORNUnd mit Angst die Seele sein,
KÜHLEBORNDoch Verdacht nicht zu erwecken,
KÜHLEBORNZiemt Verstellung nur allein.
KÜHLEBORNSüsses Glück, euch kaum beschieden,
KÜHLEBORNSchnell enteilet es und bald.
UNDINEWas ergreift mit bangem Schrecken,
UNDINEAch, mit Angst die Seele mein?
UNDINESüsses Glück, mir kaum beschieden,
UNDINEO, enteile nicht so bald!
BERTALDAWas ergreift mit bangem Schrecken
BERTALDAAch, mit Angst die Seele mein?
BERTALDASüsses Glück, mir kaum beschieden!
BERTALDAO, enteilest du so bald!
CHORWer vermag hier zu entdecken,
CHORWas die Ursach' ihrer Pein!
Herren und Damen vom Hofe. Ritter und Pagen. Bertalda, Undine, Hugo und Kühleborn treten auf
BERTALDASei stark, Bertalda,
BERTALDAMag dein Herz auch brechen.
Sie besteigt den Thron
BERTALDAVernehmet, Ritter und Vasallen!
BERTALDADes Volkes Wunsch ist,
BERTALDADass ich mich vermähle;
BERTALDANach unsern Reichsgesetzen durft' ich wählen
mit einem Blick auf Hugo
BERTALDADen Gatten aus des Landes Ritterschaft.
BERTALDADoch selbst aus hohem,
BERTALDAedlem Blut entsprossen,
mit einem Blick auf Undine
BERTALDAVerschmähend und verachtend niedre Wahl,
BERTALDAIst mein Entschluss gefasst.
für sich
KÜHLEBORNDas sollst du büssen.
BERTALDADer König von Neapel und Sizilien
BERTALDAAlfons der Erste, wirbt um meine Hand,
BERTALDAIhm reich' ich sie, und mögen diese Bande
BERTALDADen reichsten Segen bringen diesem Lande.
beiseite
KÜHLEBORNHa, eitle Törin! Diesen Stolz zu beugen
KÜHLEBORNSoll Wonne mir gewähren.
BERTALDALasset nun Mit
BERTALDASang und Saitenspiel die Zeit uns kürzen!
BERTALDASinget ein Lied.
zu Undine
BERTALDABeliebt's Euch, junge Frau?
treuherzig
UNDINEIch kenne keines.
BERTALDAEi, besinnt Euch nur;
BERTALDAVon Fisch und Wasser ist ja wohl zu singen.
auflodernd
HUGOWas soll das, Fürstin?
ihn besänftigend
UNDINE's war nicht bös gemeint.
zu Kühleborn
BERTALDANun denn, Herr Graf,
BERTALDAIhr aus dem Lande der Gesänge,
BERTALDASingt Ihr ein Lied.
KÜHLEBORNWenn Ihr vergönnt -
KÜHLEBORNEin Lied, wie Ihr's begehrtet, will ich singen;
KÜHLEBORNAuch kommt wohl mehr drin vor als Fisch und Wasser
KÜHLEBORNVielleicht, dass Euren Beifall es erregt.
Man reicht ihm eine Zither
KÜHLEBORNEs wohnt'am Seegestade
KÜHLEBORNEin armes Fischerpaar,
KÜHLEBORNDer Eltern höchste Freude
KÜHLEBORNEin holdes Mägdlein war.
KÜHLEBORNAm grünen Uferrande
KÜHLEBORNMit ihm die Mutter ruht,
KÜHLEBORNDa plötzlich sank das Mägdlein
KÜHLEBORNHinunter in die Flut.
KÜHLEBORNDoch rettend naht ein Engel,
KÜHLEBORNUnd trägt es an das Land,
KÜHLEBORNWo bald ein edler Herzog
KÜHLEBORNDas Mägdlein schlafend fand.
KÜHLEBORNO armes Kind, noch zart und klein,
KÜHLEBORNWas wird dein einstig Schicksal sein?
BERTALDASingt, wenn's Euch beliebt, ein ander Lied,
BERTALDADie Weisen stimmen nicht zur Fröhlichkeit.
KÜHLEBORNVergönnet, edle Fürstin, dass ich ende,
KÜHLEBORNGar seltsam wendet sich des Mägdleins Los.
Bertalda winkt ihre Zustimmung
KÜHLEBORNAls Herzogstochter ehrt man
KÜHLEBORNDie Jungfrau weit und breit.
KÜHLEBORNDoch ihre Tugend führet
KÜHLEBORNNur Hochmut im Geleit.
KÜHLEBORNVon Glanz und Hoheit träumend,
KÜHLEBORNVon Zepter nur und Kron' –
KÜHLEBORNIn Wahrheit sich ihr zeiget
KÜHLEBORNAlsbald ein Königsthron.
KÜHLEBORNDoch plötzlich reisst der Schleier,
KÜHLEBORNUnd allen wird bekannt,
KÜHLEBORNDass sie ein Fischermädchen
KÜHLEBORNUnd nur aus niedrem Stand.
Bei den letzten Worten ist er Bertalda näher getreten, sie bezeichnend
CHORHa! Verwegner,
CHORDu kannst wagen,
CHORUnsre Fürstin
CHORFrech zu schmähn!
KÜHLEBORNWas ich sagte, bleibet wahr!
KÜHLEBORNUnd dass jeder Zweifel schwinde,
KÜHLEBORNSehet hier das Elternpaar.
Er winkt hinaus. Marthe und Tobias treten durch die Menge ein
CHORHa, Schmach dem kecken Lügner!
CHORBestrafet sein Vergehn!
freudig den Alten entgegeneilend und sie vorführend
UNDINEO Wonne, o Freude!
UNDINEEuch seh' ich wieder!
CHORIst es Wahrheit, ist es Trug?
CHORWer löst das Rätsel hier?
auf Bertalda zeigend
KÜHLEBORNHier, euer Kind,
KÜHLEBORNDas ihr verloren wähntet.
MARTHE UND TOBIASWie?
BERTALDAZurück von mir!
Die Alten weichen scheu zurück
BERTALDAUmfängt mich hier ein wüster Traum?
BERTALDABin ich Bertalda nicht, der jene untertan?
zu Kühleborn
BERTALDAElender Gaukler, du sollst erfahren,
BERTALDAEh dich die Strafe des Verbrechens trifft,
BERTALDAAn wem du gefrevelt. - Ha, zittre!
Sie winkt, und mehrere Hofherren gehen ab
höhnisch
KÜHLEBORNVor einer Fischerdirne!
KÜHLEBORNHaha!
KÜHLEBORNMARTHE, TOBIAS und CHOR
KÜHLEBORNDes Fremden ganzes Wesen
KÜHLEBORNFlösst Furcht und Grauen ein;
KÜHLEBORNFürwahr, nur mit dem Bösen
KÜHLEBORNKönnt'er im Bunde sein.
KÜHLEBORNDrum greifet ihn, um zu erfahren,
KÜHLEBORNOb ihn der Hölle mächt'ge Scharen
KÜHLEBORNVor Schmach und grausem Tod bewahren,
KÜHLEBORNIhm Macht und Schutz entleihn?
HUGODes Fremden ganzes Wesen
HUGOFlösst Furcht und Grauen ein;
HUGOFürwahr, nur mit dem Bösen
HUGOKönnt'er im Bunde sein.
HUGOVerteid'ge dich, ich will erfahren,
HUGOOb dich der Hölle mächt'ge Scharen
HUGOVor meines Schwertes Kraft bewahren,
HUGODie Macht und Schutz entleihn?
BERTALDADer Augenblick ist da, vernehmet, wer ich bin!
ausser Kühleborn
ALLEWas werd' ich hören?
ALLEHUGO, TOBIAS und CHOR
ALLEMir klopft das Herz!
Bertalda öffnet das Kästchen, nimmt ein Pergament heraus, liest und sinkt mit einem Schrei in die Arme ihrer Frauen
ausser Kühleborn
ALLEWas ergreifet, Fürstin, dich?
nimmt das Pergament und liest
EINER DER VORNEHMSTENAm Tage Allerseelen im Jahre 1435 fand Herzog Heinrich am Seegestade ein Mägdelein, welches er an Kindes Statt erzog und Bertalda nannte.
sich erhebend
BERTALDAVerschwunden Glanz und Pracht,
BERTALDAHinab in Staub gesunken,
BERTALDADen Stolz, das Herz gebrochen!
BERTALDADie Schmach ertrag' ich nicht.
ALLETag voller Schrecken,
ALLETag voller Qualen!
KÜHLEBORNHaha! Haha! Haha!
CHORGreifet den Frechen,
CHORStraft sein Verbrechen!
CHOREr wagt zu sprechen
CHORSpott ihrem Leiden,
CHORSpott ihr und Hohn!
Alle dringen auf Kühleborn ein
KÜHLEBORNFort!
Er steigt die Stufen zum Springbrunnen hinauf
KÜHLEBORNWeicht von mir!
KÜHLEBORNDenn Kühleborn,
KÜHLEBORNDer Fürst der Fluten, zu euch spricht!
CHORHa!
Die Statue des Meeresgottes stürzt in Trümmer; Kühleborn tritt an deren Stelle und versinkt, während die Kaskaden ihn sprudelnd bedecken. Alle sehen erstarrt und entfliehen mit einem Schreckensruf nach verschiedenen Seiten. Zurück bleiben Bertalda, Undine, Marthe, Tobias und Hugo.
Bertalda stürzt betäubt in der Mitte der Bühne zu Boden. Undine, Marthe und Tobias neigen sich teilnehmend zu ihr herab. Hugo steht in sich versunken im Hintergrunde.
zu Bertalda
UNDINEWir verlassen dich nicht!
SYSTEMDRITTER AKT
Romantische Gegend am Fusse der Burg Ringstetten. Hinten ein See. Es ist Abend. Jagdgesellschaft lagert in bunten Gruppen am Boden und zecht. Unter ihnen geschäftig Hans, der Kellermeister
CHORO Auf, ihr Zecher,
CHORSeht, der Becher
CHORFreundlich euch entgegenblinkt!
CHORJagd und Liebe,
CHORDiese Triebe,
CHORDarauf stosset an und trinkt.
CHORDreimal hoch aus voller Brust:
CHORWaidmannsheil und Liebeslust!
Hans. Veit.
HANSNun sagt mir nur, was Euch so entsetzt hat?
VEITDa habt Ihr's! Auf der Jagd nähere ich mich dem Zelte meines Herrn, höre Flüstern, schleiche näher, und was sehe ich? Meinen Ritter zu den Füssen des Fräuleins Bertalda.
HANSIh, seht einmal an!
VEITDieser Undank! Als sich das Fräulein aus Verzweiflung über ihre Herkunft in den Strom stürzen wollte, reichte die engelsgute Undine ihr schwesterlich die Hand und führte sie hierher auf die Burg. Glaubt mir, das führt zu keinem guten Ende!
HANSIhr seht immer Gespenster! Lass doch die Herrschaften! Sag lieber, wann sehen wir uns wieder bei einem grossen Humpen Wein?
VEITWeiss nicht!
HANSSei doch kein Griessgram. Auf Wiedersehen heute abend beim Wein!
VEITNärrischer, alter Kautz! Freilich, wenn jedes Wiedersehen dem unseren gliche! Aber wenn man einmal darüber nachdenkt, wie freut man sich zuweilen auf ein Wiedersehen und wie oft wird man bitter enttäuscht.
VEITVater, Mutter, Schwestern, Brüder,
VEITHab' ich auf der Welt nicht mehr,
VEITKehrt' ich auch zur Heimat wieder,
VEITFänd' ich alles öd und leer,
VEITJa, wenn nur noch eins am Leben!
VEITDas sollt' eine Freude geben!
VEITO wie süss und o wie schön
VEITWär' ein solches Wiedersehn!
VEITIn der Reichsstadt traf ich neulich
VEITEinen dicken Schenkwirt an;
VEIT"Freundchen!" rief er "nicht so eilig,
VEITSeid so gut und kommt heran.
VEITGelt, Ihr wisst, wovon ich spreche,
VEITZahlt mir jetzt die schuld'ge Zeche!"
VEITDas war mir, ich muss gestehn,
VEITGar kein freudig Wiedersehn!
VEITHab' schon öfter sagen hören,
VEITDass man dort sich wiedersieht.
VEITAber niemand kann's beschwören,
VEITKeiner weiss, was dort geschieht.
VEITWenn es fest und sicher stände,
VEITDass man da sich wiederfände,
VEITWär' in jenen lichten Höh'n
VEITWohl das schönste Wiedersehn!
HANSPst, pst!
VEITWas gibt's?
HANSDer Ritter und das Fräulein, das sind saubere Geschichten!
VEITSo sagt doch nur!
HANSKomm, unterwegs!
Bertalda. Hugo.
HUGOIch lasse dich nicht, nein, nein,
HUGOSprich nicht von deinem Scheiden,
HUGOO soll ich mehr noch leiden?
HUGOWillst du dem Tod mich weihn?
HUGOIn dir ist nur mein Leben,
HUGOBertalda, werde mein!
BERTALDALass mich zurücke kehren
BERTALDAZu meiner Niedrigkeit.
BERTALDANicht darf ich dir gewähren
BERTALDADer Liebe Seligkeit.
HUGODu darfst nicht?
HUGOSo mag das Äusserste geschehen!
HUGOIch breche jene Kette,
HUGODie mich umschlungen hält.
BERTALDADein Weib willst du verstossen.
BERTALDADas dich So glücklich macht?
HUGOSie hat mich nur geblendet
HUGODurch bösen Zaubers Macht.
HUGONur du, du bist für mich geboren -
HUGOHiermit sei es geschworen!
HUGOIch trenne mich von ihr.
BERTALDAHalt ein! Halt ein!
für sich
BERTALDATriumph! Der Sieg ist mein!
Die Vorigen. Undine
UNDINEWas seh'ich?
HUGODa ist sie!
BERTALDAUndine.'
HUGOZur guten Stunde!
UNDINEZu viel! Zu viel!
nachdem er sich gesammelt
HUGOUndine, tritt heran, es kündet dir mein Mund.
HUGONicht länger kann bestehen unser Bund!
UNDINEO Gott, was hör'ich!
UNDINEVerstossen willst du mich?
UNDINEO denke doch zurück
UNDINEAn unser stilles Glück.
UNDINEAn jene sel'gen Stunden,
UNDINEWo ich dir alles war!
BERTALDALeb wohl auf immerdar!
BERTALDANicht ferner störend euer Glück,
BERTALDAKehr' zu den Eltern ich zurück.
HUGOBleib!
zu Undine
HUGONein, tu, was ich dich geheissen!
HUGONichts hab' ich mehr mit Kobolden gemein.
UNDINENicht ihren Grimm errege, von dir würd' man mich reissen,
UNDINEUnd du auf ewig dann für mich verloren sein.
HUGOHa, darauf will ich's wagen!
UNDINEDu darfst der Treue Schwur nicht brechen,
UNDINEDie Meinen würden fürchterlich den Meineid rächen!
HUGOBertalda wird die meine! Hiermit sei es geschworen! Fort, Gauklerin!
Er schleudert sie von sich. Das Mondlicht verschwindet, der Himmel verdunkelt sich; der See wogt, drohende, bleiche Gesichter tauchen aus den Wellen und blicken durch das Laub der Bäume.
UNDINEWeh mir! Er ist verloren!
Kühleborn und Wassergeister, in meergrünen, mit Schilfgezierten Gewändern, steigen aus den Fluten. Alle gruppieren sich teilnehmend um Undine
KUHLEBORNNun ist's vollbracht!
KUHLEBORNDu kehrst zur Heimat wieder,
KUHLEBORNHier oben dir der Frieden nicht erblüht.
KUHLEBORNIch wollt' erfahren,
KUHLEBORNUm wieviel besser denn die Menschen sind,
KUHLEBORNIn denen eine Seele wohnt;
KUHLEBORNDeshalb raubt' ich Bertalda aus der Fischerhütte
KUHLEBORNUnd sandte dich dahin. Mein teures Kind,
KUHLEBORNVergib; und magst du mich auch grausam wähnen,
KUHLEBORNIch bin es nicht; o trockne deine Tränen.
sich erhebend
UNDINEWo bin ich?
CHORBei den Deinen!
UNDINEO lasst mich, lasst mich weinen!
UNDINEIhr ahnet nicht, wie Liebesleiden
UNDINEUnd Liebesfreuden
UNDINESo gleich sich, so verschwistert sind!
Mit Verzweiflungsvoller Kraft
UNDINEEr kann, er kann das Band nicht trennen,
UNDINEDas unsre Seelen einst vereint!
auf die erleuchteten Fenster der Burg deutend
KÜHLEBORNSchau hin! Wo jene Kerzen brennen,
KÜHLEBORNGeschieht, was dir unglaublich scheint.
tränenvoll hinblickend
UNDINESo ist es wahr? O du Geliebter!
UNDINEFahr hin, es ist um dich geschehn.
KÜHLEBORNO kehr zurück! Mein eitel Sehnen
KÜHLEBORNIst nun gestillt; o kehr zurück!
KÜHLEBORNBald fliessen milder deine Tränen,
KÜHLEBORNBald lacht dir wieder stilles Glück.
CHORSchwanensang,
CHORSchwanenklang
CHORTönet wieder
CHORAuf dich nieder.
CHORWo der Meineid nimmer wohnt,
CHORWo nur ew'ger Friede thront.
UNDINEIch kehr'zurück! Dein eitel Sehnen
UNDINEIst nun gestillt, ich kehr'zurück!
UNDINEDoch nie versiegen meine Tränen,
UNDINEDenn ohne ihn lacht mir kein Glück.
UNDINEKÜHLEBORN und CHOR
UNDINESchwanensang,
UNDINESchwanenklang
UNDINETönet wieder
UNDINEAuf dich nieder.
UNDINEWo der Meineid nimmer wohnt,
UNDINEWo nur ew'ger Friede thront.
UNDINEO kehr zurück, dein eitel Sehnen
UNDINEIst nun gestillt, o kehr zurück!
UNDINEDenn wo Gram im Herzen wohnt,
UNDINENimmer wieder Friede thront.
UNDINEIch kehr' zurück, zurück!
CHORO kehr zurück, zurück!
Gegen den Schluss besteigen alte die Wellen, die nun in hellem Silberglanze leuchten und mit Wasserlilien besät scheinen. Der Horizont prangt voller Sterne. Alle versinken langsam in den Fluten.
SYSTEMVIERTER AKT
SYSTEMEntracte
Der Hof der Burg Ringstetten. In der Mitte ein mit einem grossen Steine bedeckter Brunnen. Hinten erblickt man die erleuchteten Säle, seitwärts das Portal zum Innern der Burg; diesem gegenüber einen Teil des Gartens mit einer Laube. Es ist Nacht. Aus den erleuchteten Sälen ertönen Jubel und Musik.
Hugo reich gekleidet, ruht schlafend, aber von unruhigen Träumen gequält, in der Laube
HUGOHinweg! Hinweg! Dein dräuend Angesicht
HUGOErstarrt mein Blut zu Eis, macht mich erbeben.
HUGOUm Mitternacht, sagst du, um Mitternacht?
HUGOLass ab, lass ab! Nicht trag' ich deinen Blick. Entflieh!
Er springt auf
HUGOAlso war's ein Traum!
HUGOMir war, als schwebt' ich über Meereswogen
HUGOUnd bis zum Grunde tief schaut' ich hinab:
HUGOUnd sah Undine dort und Kühleborn;
HUGOEr sprach: "Die Zeit ist da, um Mitternacht
HUGOWirst du gerichtet, musst dein Leben lassen!"
HUGOUnd süsser Schwanengesang tönt mir ins Ohr,
HUGOUndine öffnet weinend ihre Arme
HUGOUnd schliesst mich an die treue Brust!
HUGOMir schien der Morgen aufgegangen,
HUGOAls sie, den Kranz im Lockenhaar,
HUGODer Unschuld Lilien auf den Wangen,
HUGODie Hand mir reichte am Altar.
HUGOO warum wardst du nicht geboren
HUGOMir gleich an Wesen und an Sinn!
HUGODenn seit ich dich, ja dich verloren,
HUGOIst meines Herzens Ruh' dahin.
HUGOBin ich aufs neue auch verbunden,
HUGOLeuchtet mir fern der Liebe Glück;
HUGOWas ich für sie so heiss empfunden,
HUGOBringt keine Ewigkeit zurück.
HUGOWas regt so heftig die Erinnerung
HUGOErfasst mich Furcht vor jener bösen Macht?
HUGOErzitterst du? Auf, Hugo, habe Mut!
HUGOLass nicht von tollem Geisterspuk dich schrecken,
HUGOSolange Kraft in deinen Sehnen wohnt!
Musik hinten aus dem Schloss
HUGOHa! eben recht,
HUGOIhr Jubeltöne;
HUGOIhr mahnet mich
HUGOAn meine Schöne.
HUGONur sie, die alle Reize schmücken,
HUGODie hohe, herrliche allein,
HUGOBertalda nur kann mich beglücken,
HUGOGefährtin mir durchs Leben sein.
HUGODrum soll mich Geisterspuk nicht blenden.
HUGOIch bin der Mann, zu widerstehn!
HUGOBeim ew'gen Gott, ich will vollenden,
HUGOMüsst' ich im Kampf auch untergehn!
HUGOJa - spräche selbst die Hölle drein –
HUGOMein bleibt sie, mein!
Er geht schnell ab ins Schloss
Veit und Hans kommen von der anderen Seite. Dann Undine.
VEITLass mich in Ruhe! Ich mag nicht mehr trinken.
HANSNur noch ein Schluck. Es ist ein altes, aber gutes Sprichwort: Im Wein ist Wahrheit! Ihr hättet mich vor dreissig Jahren kennen müssen, ja damals ...
HANSIch war in meinen jungen Jahren
HANSEin feuriges, verliebtes Blut,
HANSDie Frauen haben's wohl erfahren,
HANSIch war ein rechter Tunichtgut.
HANSIch raufte, spielte, doch am meisten
HANSKonnt' ich hier bei dem Humpen leisten.
HANSVorbei ist alles, nur den Wein –
HANSDen lieb'ich noch!
ihm auf die Achsel klopfend
VEITIm Wein ist Wahrheit nur allein!
VEITVon Liebe hab'ich nichts erfahren,
VEITMich störte meine Blödigkeit.
HANSMir zürnte man in frühern Jahren
HANSOb allzu grosser Dreistigkeit.
VEITWar mit 'nem Mädchen ich alleine -
HANSUnd sprach sie sanft: Ich bin die deine -
VEITDann war ich stumm -
HANSNein, das war dumm.
HANSEntsetzlich dumm!
HANSIm Wein ist Wahrheit nur allein!
VEITIm Wein ist Wahrheit nur allein!
HANSLasst uns jetzt wieder hineingehen.
HANSEs ist hier finster und schauerlich,
HANSund drinnen ist's hell und lustig.
VEITDas ist's ja eben, Meister Hans! Ich kann nicht fröhlich sein, weil ich heute mehr denn je an vergangene Zeiten denken muss.
hinter der Szene
HOCHZEITSGÄSTEEs lebe das Brautpaar, hoch!
VEITDas schneidet mir durch die Seele. Die arme Undine wurde verstossen, und diese Schlange Bertalda triumphiert. Ich bin nicht boshaft, Meister Hans, aber wüsste ich ein Mittel, dieses Hochzeitsfest zu stören, bei Gott, ich tät's.
HANSHaha, da weiss ich Rat. Warum musste der Brunnen mit einem Stein verschlossen werden?
VEITWeil der Plagegeist Kühleborn in ihm sein Wesen trieb und die schöne Braut Bertalda ewig neckte.
HANSNun also, lasst uns den Brunnen wieder öffnen. Dann geht vielleicht der Teufel los.
VEITMeister Hans, das ist ein guter Einfall. Also an's Werk!
Sie heben den Stein vom Brunnen. Unterirdisches Getöse. Ein heller Schein leuchtet aus dem Brunnen, und eine Wassersäule sprudelt hervor, aus der sich eine weissverschleierte Gestalt
Undine
entwickelt. Sie schwebt über den Rand des Brunnens, blickt seufzend nach den erleuchteten Fenstern und geht langsam und weinend in die Burg. Hans und Veit ziehen sich zurück.
Festlich erleuchteter Prunksaat mit grossen Bogenfenstenn im Hintergrunde. Hochzeitsgäste, Ritter und Frauen, Pagen und Edelknechte, Bertalda und Hugo. Später Undine. Zuletzt Kühleborn und die Wassergeister.
blass, in grosser Aufregung vortretend
HUGOFüllt die Pokale!
HUGOFröhlichkeit strahle
HUGOAus jedem Aug,
HUGOAus jeglichem Blick;
HUGOPreisend die Schönen
HUGOLasset ertönen
HUGOSchallende Lieder
HUGOVon Liebesglück.
CHORFüllt die Pokale! usw.
für sich
HUGOWoher die Angst, die mich verzehrt?
HUGOKaum berge ich die bange Pein.
BERTALDADas höchste Glück ist mir beschieden,
BERTALDADa ich dich ganz darf nennen mein.
besorgt
BERTALDAWas stiehlt die Glut von deinen Wangen?
BERTALDAWas ist dir, teurer Freund, o sprich!
HUGOO mir ist wohl! Unnütziges Bangen,
HUGONichts ist es, nichts. Beruh'ge dich!
HUGOFüllt die Pokale - Fröhlichkeit -
HUGONein, nein das nicht!
HUGOBeginnt den Reigen.
Die Gesellschaft stellt sich paarweise zum Tanze. Als Hugo Bertaldas Hand ergreifen will, beginnt die Turmuhr in gemessenen Zwischenpausen und in dumpfen Tönen „zwölf" zu schlagen
erbebt beim ersten Schlag
HUGOHa! es schlägt - Mitternacht -
ihm zuflüsternd
BERTALDAFasse dich - habe Mut!
HUGOMir graut! - Mein Blut - starrt zu Eis!
HUGOMitternacht!
Bei dem letzten Schlag „zwölf" fürchterlicher Donnerschlag, alle Lichter verlöschen, Sturmwind von aussen, allgemeiner Schreckensruf der Anwesenden. Ein bläulicher Lichtschein leuchtet von der Seite, von der Undine, verschleiert, nach der Mitte des Saales schreitend, auftritt.
welcher zur Seite steht
HUGOHa, nun erkenn' ich, mein Traum wird wahr –
HUGODu kommst zu richten - nimm mich hin!
HUGODoch lass noch einmal, eh ich sterbe,
HUGODein lieblich Angesicht mich schaun.
schlägt den Schleier zurück
HUGOO holdes Bild, das mich so hoch beglückte,
HUGONoch einmal gönne mir die Seligkeit,
HUGODich liebend zu umfangen.
Undine breitet die Arme aus
HUGODu winkest mir. Ich komme!
HUGOEr eilt in ihre Arme.
HUGOSo lass mich sterben.
Er sinkt betäubt zu ihren Füssen nieder. -Unter einem zweiten Donnerschlag versinken Hugo und Undine. - Durch die vom Sturm geöffneten Fenster gewahrt man Blitze und vernimmt das Toben der Wellen. Der Chor entflieht nach allen Seiten, dann stürzt unter furchtbarem Krachen der Saal zusammen. Die Fluten dringen, Schutt und Trümmer vor sich her wälzend, bis ans Proszenium, immer höher steigend. Man gewahrt nach und nach ein Flimmern glänzender Gegenstände, bis endlich, nachdem die Wogen die Soffitten erreicht, der Kristallpalast des Wasserfürsten mit funkelnden Steinen, Muscheln und Zieraten usw. erscheint. - Wassergeister sind überall gruppiert. In der Mitte, auf einer Erhöhung, Kühleborn, zu seinen Füssen Hugo und Undine. Alle strahlen in glänzenden Gewändern.
zu Hugo
KÜHLEBORNDu freveltest an dieser reinen Unschuld,
KÜHLEBORNDein Leben war verwirkt;
KÜHLEBORNDoch schuldlos litt die Arme,
KÜHLEBORNDrum möge Gnade walten!
KÜHLEBORNUm ihretwillen soll dir verziehen sein.
KÜHLEBORNDu bleibst fortan bei uns! Das deine Strafe.
KÜHLEBORNVernehmt's, ihr Seelenvollen, die ihr unsrer spottet -
KÜHLEBORNSo rächen sich die Seelenlosen!
CHOR DER WASSERGEISTERSchwanensang, Schwanenklang
CHOR DER WASSERGEISTERTönet wieder auf dich nieder!
CHOR DER WASSERGEISTERSchwanensang,
CHOR DER WASSERGEISTERWo der Meineid nimmer wohnt,
CHOR DER WASSERGEISTERWo nur ew'ger Friede thront!
KÜHLEBORN, HUGO UND UNDINEOhne ihn (dich) lacht ihr (mir) kein Glück
KÜHLEBORN, HUGO UND UNDINEDenn wo Gram im Herzen wohnt,
KÜHLEBORN, HUGO UND UNDINENimmer wieder Friede thront.