Abschied

Wolf, Hugo

Unangeklopft ein Herr tritt Abends bei mir ein:

„Ich habe die Ehr, Ihr Rezensent zu sein!“

Sofort nimmt er das Licht in die Hand,

Besieht lang meinen Schatten an der Wand,

Rückt nah und fern: „Nun, lieber junger Mann,

Sehn Sie doch gefälligst mal Ihre Nas so von der Seite an!

Sie geben zu, daß das ein Auswuchs is.“

– Das? Alle Wetter – gewiß!

Ei Hasen! ich dachte nicht,

All' mein Lebtage nicht,

Daß ich so eine Weltsnase führt im Gesicht!!

Der Mann sprach noch Verschiedenes hin und her,

Ich weiß, auf meine Ehre, nicht mehr;

Meinte vielleicht, ich sollt ihm beichten.

Zuletzt stand er auf; ich tat ihm leuchten.

Wie wir nun an der Treppe sind,

Da geb ich ihm, ganz froh gesinnt,

Einen kleinen Tritt

Nur so von hinten aufs Gesäße mit –

Alle Hagel! ward das ein Gerumpel,

Ein Gepurzel, ein Gehumpel!

Dergleichen hab ich nie gesehn,

All mein Lebtage nicht gesehn,

Einen Menschen so rasch die Trepp hinabgehn!