Schmerzliche Wonnen und wonnige Schmerzen

Wolf, Hugo

Schmerzliche Wonnen und wonnige Schmerzen,

Wasser im Auge und Feuer im Herzen,

Stolz auf den Lippen und Seufzer im Sinne,

Honig und Galle zugleich ist die Minne.

Oft, wenn ein Seelchen vom Leib sich

geschieden,

Möcht' es Sankt Michael tragen zum

Frieden.

Aber der Dämon auch möcht' es verschlingen;

Keiner will weichen, da geht es ans Ringen.

Seelchen, gequältes, in ängstlichem Wogen

Fühlst du dich hierhin und dorthin gezogen,

Aufwärts und abwärts. In solches Getriebe

Stürzt zwischen Himmel und Höll' uns die Liebe.

Mütterchen, ach, und mit siebenzehn Jahren

Hab ich dies Hangen und Bangen erfahren,

Hab's dann verschworen mit Thränen der Reue;

Ach, und schon lieb' ich, schon lieb' ich auf's neue.