Trau nicht der Liebe

Wolf, Hugo

Trau nicht der Liebe,

mein Liebster, gib Acht!

Sie macht dich noch weinen,

wo heut du gelacht.

Und siehst du nicht schwinden

des Mondes Gestalt?

Das Glück hat nicht minder

nur wankenden Halt.

Dann rächt es sich bald;

und Liebe, gieb Acht!

Sie macht dich noch weinen,

wo heut du gelacht.

Drum hüte dich fein

vor törigem Stolze!

Wohl singen im Mai'n

die Grillchen im Holze;

dann schlafen sie ein,

und Liebe, gieb Acht!

sie macht dich noch weinen,

wo heut du gelacht.

Wo schweifst du nur hin?

Laß Rat dir erteilen:

Das Kind mit den Pfeilen

hat Possen im Sinn.

Die Tage, die eilen

und Liebe, gieb Acht!

Sie macht dich noch weinen,

wo heut du gelacht.

Nicht immer ist's helle,

nicht immer ist's dunkel,

der Freude Gefunkel

erbleicht so schnelle.

Ein falscher Geselle

ist Amor, gieb Acht!

Er macht dich noch weinen,

wo heut du gelacht.