Sphinx atropos
L. Wolf
Die Geißblattranke durchhaucht die Luft
Mit wunderbar süßem berauschenden Duft.
Von Fenster zu Fenster, von Ast zu Ast,
Ein Schmetterling fliegt in summender Haft.
Der Sphinx, der Todtenkopfschmetterling,
Umschwärmt den duftigen Blüthenring. --
Im Zimmer stickt am Hochzeitkleid
Noch spät in der Nacht die schöne Maid.
"Zum letztenmal hab' ich getanzt heut' Nacht,
Zum letztenmal hab' ich getanzt und gelacht.
Früh morgen holt mich der Bräutigam ab,
O holte mich lieber der Tod ins Grab!"
Sie lehnt sich zurück, und sinkt in Traum,
Da schwirrt es heran von der Blüthen Saum.
Es fliegt um den Leuchter das Kind der Gruft
Um der Geißblatt Ranke berauschenden Duft.
Des Schmetterlings dunkles Flügelpaar
Umkreist der Schläserin lockiges Haar.
Zwei rothe Lippen ersieht er sogleich,
Die rothen Lippen wurden bleich.
Er deckt mit den Flügeln die wogende Brust,
Erkaltet ist jede Lebenslust.
Er legt sich flatternd ins Lockenhaar,
Gibt sich für morgen zum Brautschmuck dar.